Literatur/Performance

Women Empowerment: DIE WELLEN

Probenfoto Tanja Schmid & Irmi Horn

Literarischen Performance nach Virginia Woolf, bearbeitet von Irmi Horn –  in der Reihe WOMEN EMPOWERMENT.

Inszenierung/Ausstattung: Irmi Horn Irmi Horn  
Licht: Reinfrid Horn
Bühnen-Videosequenzen: Anaïs Horn (Courtesy Land Steiermark)

Mitwirkende:
Irmi Horn (Dichterin), Tanja Schmid (Choreografische Intervention).

Weitere Termine: So 26., Mo 27., Di 28., Mi 29. Juni 20:00

Normalpreis:  € 14

Ermäßigt: € 9

Virginia Woolfs farbig instrumentierte Beschwörung der Entwicklung von Bernard, Louis, Neville, Rhoda, Jinny und Susan – sechs ganz unterschiedliche Stimmen -, ihre kunstvolle Darstellung der Ebbe und Flut ihrer sinnlichen und intellektuellen Erfahrungen stellt eines der radikalsten Experimente der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts dar. Wie in neun Monaten ein Kind zur Geburt reifen kann, sind neun Tagesabschnitte als jeweiliges Zeiterleben von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang unter dem ewigen Wellenschlag des Meeres beschrieben und symbolisieren gleichermaßen die Lebensabschnitte der Protagonist*innen. Ihr Heranreifen und ihre Ausgeliefertheit an die Mitwelt und ihre Einflüsse, die Kultur der Gesellschaft, die Natur: Phänomene, die das Leben und Erleben von Kindheit bis zum Tod mitgestalten.

Die Figuren wollen sich selbst finden, erkennen durch ihre Beziehung zu anderen, dass die Andersartigkeit der Freunde die eigene Individualität definiert. Jede individuelle Perspektive trägt zur Gesamtwahrnehmung der Realität bei, und es stellt sich heraus, dass das Ich widersprüchliche Aspekte in sich birgt und sich nur über vorgestellte, erfahrene, erahnte Momente der Menschheit aus dem Pool von Bezugspersonen, Traditionen generiert und sich aus dem kulturellen Level der Gesellschaft kreiert.  Das Selbst erkennt sich als viele zugleich, kein zusammenhängendes Ich. Eine Sonderstellung nimmt Percival ein: Er ist eins mit der Realität.  Die Wellen symbolisisieren aber auch das Hoch und Nieder, das Geworfenwerden wie das Getragenwerden, das Unendliche, das Vereinigende, das Zerstörende: die Urkraft, die Leben schaffen und vernichten kann.

Die Figuren wollen sich selbst finden, erkennen durch ihre Beziehung zu anderen, dass die Andersartigkeit der Freunde die eigene Individualität definiert. Jede individuelle Perspektive trägt zur Gesamtwahrnehmung der Realität bei, und es stellt sich heraus, dass das Ich widersprüchliche Aspekte in sich birgt und sich nur über vorgestellte, erfahrene, erahnte Momente der Menschheit aus dem Pool von Bezugspersonen, Traditionen generiert und sich aus dem kulturellen Level der Gesellschaft kreiert. Das Selbst erkennt sich als viele zugleich, kein zusammenhängendes Ich. Eine Sonderstellung nimmt Percival ein: Er ist eins mit der Realität. Die Wellen symbolisisieren aber auch das Hoch und Nieder, das Geworfenwerden wie das Getragenwerden, das Unendliche, das Vereinigende, das Zerstörende: die Urkraft, die Leben schaffen und vernichten kann. Virginia Woolf könnte aber in der ihr so geläufigen Art, Menschen allein beim Anblick entsprechende Charaktere zuzueignen und später auch wieder zu verwerfen, sich selbst in die Handelnden aufspalten wollen, um zu zeigen, dass Menschen so vielfältig sind, wie es auch die Wahrheit ist. Irmi Horn und Tanja Schmid vertreten alle Charaktere. Sie agieren gleichermaßen als Dichterin und Interpret*in der einzelnen Personen und lassen damit eine besondere Verbindung zwischen dem poetischen Text und dem Publikum entstehen.

Als Virginia Woolf Ende der 1960er-Jahre für die Frauenbewegung neu entdeckt wurde, schenkte das Publikum auch diesem radikalsten Roman, in dem sie ihr Experimentieren mit der erzählerischen Form zur künstlerischen Vollendung gebracht und die literarischen Möglichkeiten des inneren Monologs voll ausgeschöpft hat, seine Aufmerksamkeit. Virginia Woolf gilt neben James Joyce als wichtigste Vertreterin der literarischen Moderne in England.

Als „Die Wellen“ im Oktober 1931 bei Hogarth Press, dem Verlag des Ehepaars Woolf, in einer Auflage von 7113 Exemplaren erschien, musste  noch im gleichen Monat nachgedruckt werden, obwohl die Kritiker-Meinungen auseinandergingen.

Einen ersten Einfall notierte Virginia Woolf im September 1927 in ihr Tagebuch. Am 18. Juni 1929 schrieb sie dann von der „Idee eines kontinuierlichen Stroms, nicht nur von menschlichen Gedanken, sondern auch von einem Schiff, der Nacht &c, alles fließt ineinander: unterbrochen von der Ankunft der Nachtfalter“. Aber sie kam nicht voran, empfand das Schreiben als Qual – dagegen sei die Arbeit an früheren Werken ein reines Kinderspiel gewesen. Im Januar 1930 notierte sie: „Ich schreibe zwei Seiten völligen Blödsinn, mit Anstrengung; ich schreibe Varianten zu jedem Satz; Kompromisse; schlechte Ansätze; Möglichkeiten; bis mein Entwurf wie der Traum einer Irren wirkt.“ Doch am 29. April war die erste Niederschrift beendet, für Virginia Woolf war es „die größte geistige Anstrengung, der ich mich je unterzog“, und das Ergebnis sei ein Buch „voller Löcher und Flicken“. Es begann die Überarbeitung, die am 7. Februar 1931 abgeschlossen war.
Woolfs Bruder Thoby, der nach einer Griechenlandreise, die er mit ihr und der Schwester Vanessa unternommen hatte, an Typhus gestorben war, war das Vorbild für Percival, der ebenfalls mit Mitte 20 stirbt. Auch für die anderen Romanfiguren lassen sich Vorbilder in Virginia Woolfs engstem Umfeld finden, das sich großteils in der Bloomsbury-Gruppe wiederfand: Susan könnte die Schwester Vanessa sein, Jinny entspricht einerseits Virginia selbst, trägt aber auch Züge der Mutter Julia Stephen und einer älteren Freundin, Kitty Maxse. Züge von Virginia selbst finden sich aber auch in Rhoda. Neville entspricht vielleicht dem Maler Duncan Grant, Vanessas homosexuellem Lebensgefährten; die Figur des Bernard verweist auf Vanessas Ehemann, den Kritiker Clive Bell, und Louis könnte Virginias Ehemann Leonard Woolf repräsentieren.
Virginia Woolf wurde am 25. Januar 1882 als Tochter des Biographen und Literaten Sir Leslie Stephen in London geboren.
Als Kind wurde sie sexuell missbraucht, wohl von einem ihrer Halbbrüder. Als sie 13 Jahre alt war, starb ihre Mutter, was einen ersten psychischen Zusammenbruch auslöste. Den nächsten erlebte sie 1904 nach dem Tod des Vaters. Die Stephen-Geschwister zogen im Jahr 1905 von Kensington in den Stadtteil Bloomsbury in das Haus am Gordon Square 46. Hier begann Thoby Stephen, den Donnerstag als Jour fixe für eine Zusammenkunft mit seinen Freunden zu etablieren.Brigitte Arringer

Virginia Woolf

Mit diesem Brauch war der Grundstein der Bloomsbury Group gelegt, der zum Teil aus Mitgliedern der Cambridge Apostles bestand, das war eine elitäre intellektuelle Geheimgesellschaft an der Universität Cambridge, die 1820 von George Tomlinson nach dem Vorbild einer Freimaurerloge gegründet wurde. Zu diesem Zirkel gehörten neben Virginia Literaten wie Saxon Sydney-Turner, David Herbert Lawrence, Lytton Strachey, Leonard Woolf, Maler wie Mark Gertler, Duncan Grant, Roger Fry und Virginias Schwester Vanessa, Kritiker wie Clive Bell und Desmond MacCarthy sowie Wissenschaftler wie John Maynard Keynes und Bertrand Russell. Virginia war dankbar, in diesem intellektuellen Kreis – Vanessa und sie waren neben Mary MacCarthy die einzigen Frauen – in Diskussionen mitwirken und sich aus den moralischen Fesseln ihrer Erziehung befreien zu können.

Im selben Jahr begann Virginia für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. Den dritten psychischen Zusammenbruch erlebte sie 1912 nach dem Heiratsantrag des Literaturkritikers Leonard Sidney Woolf. Noch im selben Jahr heiratete sie ihn, einen Monat später versuchte sie, sich das Leben zu nehmen. Der Selbstmordversuch scheiterte. Zusammen mit ihrem Mann, dem Kritiker Leonard Woolf, gründete sie 1917 den Verlag The Hogarth Press, wo sie auch die Romane ihrer Freundin Vita Sackville-West veröffentlichte, mit der sie ab 1925 eine dreijährige Liebesbeziehung (Orlando 1928) verband.  Ihre Romane stellen sie als Schriftstellerin neben James Joyce und Marcel Proust. Zugleich war sie eine der lebendigsten Essayistinnen ihrer Zeit und hinterließ ein umfangreiches Tagebuch- und Briefwerk. Virginia Woolf nahm sich nach einer weiteren schweren Depression am 28. März 1941 in dem Fluß Ouse bei Lewes (Sussex) das Leben.
Im Gespräch war Virginia Woolf ungemein witzig gewesen, konnte aber auch geradezu teuflisch boshaft sein. Mit Kindern allerdings ging sie wunderbar um; sie nahm sie ernst und behandelte sie wie ihresgleichen. Sie hatte, wie sie selbst zugab, eine snobistische Schwäche für die Damen der Aristokratie, und sie liebte Reisen, Patys und Klatsch.

 

Irmi Horn, * 1945, lebt nach Studium und Lehrtätigkeit, Arbeit an verschiedenen Theatern und in der Freien Szene als Dramatikerin, Regisseurin, Schauspielerin, Kuratorin und künstlerische Leiterin von kunstGarten in Graz. Mit ihrem Programm will sie als Mitverantwortliche für das Weltgeschehen Zeichen setzen, die Menschenrechte ins Rampenlicht rücken und eine Empathie für die Mitlebewesen und die uns umgebende Natur evozieren und der Kunst Raum geben.

INFORMATION

  • Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung bis spätestens 2 Stunden vor Programmbeginn – bei einer Matinée bitte bis zum Vorabend – unter kunstgarten@mur.at oder +43 316 262787. 3 G Regel!