Ausstellung/Gartenkunst

Opening: LIKE A FLOWER IN THE LANDSCAPE – Arbeitstitel

Löwenzahn (Taraxacum). Photo kunstGarten

kunstGarten lud ursprünglich das Ehepaar Andrea Bakketun & Christian Tony Norum aus Norwegen als Artists in Residence um weiterhin internationale Kunst in den 5. Bezirk von Graz holen.

Da die Beiden keine Förderung für 2026 erhielten, wird verschoben und getauscht mit den zwei für 2027 geplanten Ausstellenden aus Österreich, die ihrerseits international bekannt sind:

Alexandra Gschiel & Markus Wilfling.

Überlegungen der Kuratorin: Irmi Horn
Wenn dieser Stadtteil auch relativ viel an Grünflächen besitzt, befinden sich doch auch Siedlungsreihen und Häuserblocks als Wohn- und Lebensraum an, denen gelegentlich das Anheimelnde, das, was ein Glücksgefühl in ästhetischer Konnotation auslösen könnte, fehlt.
Graz wird über das Kunsthaus mit BLOOM bespielt. Und kunstGarten tritt in diese Szene mit einem Pflanzenarchiv und der Idee und Gestaltung einer oder mehrerer Arbeiten der beiden Artists, denen frei gestellt ist, sich  thematisch mit dem Thema auseinander zu setzen und dieses künstliche Element in die natürliche Pflanzenwelt einzufügen, kontrastierend oder sich eingliedernd.

Mit dem Titel will ich aufmerksam machen, dass z. B. in einer grauen Stadt, an einer Hausfassade etwas Farbiges und Duftendes mit seiner Präsenz tröstend, stimulierend, hoffnungmachend wirken kann.
Oder in der Landwirtschaft, wo riesige Flächen bebaut werden und mit Unkrautvernichtern Wildkräuter ausgemerzt werden, leuchtet je eine Blume hervor und beleuchtet damit die Schieflage unseres Planeten. Gleichzeitig können fantastische Blumen auf einem Feld, neben dem Weg oder in einem Garten wachsen – wie Wegwarten, Klatschmohn – und verschiedene Menschen können sie gar nicht wahrnehmen, weil sie keinen Bezug herstellen können. Ihre Aufmerksamkeit ist so künstlich überhöht, dass ihnen dieses Naturerleben und Naturbegreifen abhanden gekommen ist.

Oder du triffst lauter grausliche, kalte, uninteressierte Menschen in einer Gruppe und einer sticht durch seine Liebenswürdigkeit hervor. Macht dir Mut.

Du siehst in der Kunstwelt 1000de Objekte und eines ist großartig.

Du erlebst den Alltag in gleicher Wiederholung und dann sticht ein Erlebnis heraus.

Im übertragenen Sinn, wäre es eben auch die Aufmerksamkeit gegenüber unseren Mitmenschen, Mitlebewesen, die hinterfragt werden soll. Wo vielleicht ein Wort des Verstehens einen Weg aufbereitet, der das unwirtliche Grau von Ignoranz durchbricht.

Jede Einzelstellung gibt Bedeutung. Negativ und positiv wird sie genützt und benutzt.

Durch Aufnahmen mit der Lochbildkamera spielt Alexandra Gschiel in lomographischer Weise besondere Momente in den Vordergrund, technisch nicht ausgereift vermittelt sie Eindrücke, die der Phantasie Raum geben und ästhetisch anspruchsvolle „Verwerfungen“ als Transfermittel in unser Bewusstsein effizient erscheinen lassen. Was sozusagen als Schnappschuss entsteht ist in Wirklichkeit ein langes Stillhalten, ein Versenken in einen Wahrnehmungszustand, der vielleicht sogar meditativ bezeichnet werden kann.

Markus Wilfling nimmt sich einer Baumruine an. Er setzt mit der Gestaltung des Stammes, das Eingreifen in gewachsene Struktur gleichermaßen der menschlichen Kreativität und Hybris ein Zeichen.

Ein Verweis auf die Abhängigkeit von Natur, in der wir unser Sein verankern können, entsteht.
Wir können uns Nützen und Ausnützen vor Augen führen, Freude und Missbrauch.

Ein Verweis auf ästhetische Wahrnehmung und Eingliederung: die Skulptur eines einstens Lebendigen. Die tägliche Veränderung. Die Bewusstheit der Vergänglichkeit und die Freude am Sein.

Die ignorante Haltung gegenüber Reduktion des „Immer Mehr“ zu Gunsten persönlicher Bedürfnisse und Machtansprüche von Einzelnen, Gruppen, Staaten, Machthabenden erinnert an einen todbringenden Schildbürgerstreich.