Ausstellung/Gartenkunst

Tag der Druckkunst: WHAT ABOUT ALMA KARLIN?

Barbara Hammer, About Alma Karlin, Radierung, 2026 - Ausschnitt/Detail

Am 15. März wird der Eintrag der traditionellen Drucktechniken in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission als Tag der Druckkunst gefeiert.

kunstGarten beteiligt sich mit einer Ausstellung mit Arbeiten von Barbara Hammer (A), Künstlerinnen vom Verein Österreichisch-slowenische Freundschaft Graz / Društvo Avstrijsko-slovensko prijateljstvo Gradec, einem Interview von Frau Uni-Prof. Kasilda Bedenk mit der slowenischen Schriftstellerin Jerneja Jezernik  und einer Lesung von Irmi Horn.

 

Barbara Hammer setzt sich in ihren Arbeiten mit dem Leben von Alma Karlin und ihrer besonderen Lebensgeschichte auseinander und verortet diese mit 2 künstlerischen Positionen nach FIJI und nach Slowenien.

ZU FIJI
2008 führten private Ereignisse Barbara Hammer nach FIJI.
Fast 100 Jahre zuvor bereiste Alma Karlin die Südsee und erlebte
FIJI zu beginn des 20. Jahrhundert.

Die inzwischen stattgefundenen veränderten Lebenswelten auf FIJI
werden von B.H. in minimalistische Holzschnitte umgesetzt und kommentieren die Gegenwart wobei die Drucke neue Wahrnehmungsmuster aufbrechen.

ZU SLOWENIEN
Die 2025/26 entstandenen Radierungen sind Ausdrucksmittel um sich dem
Leben von A.K. in der Zeit um 1943/44 zu nähern.
Sie verkörpern die Auseinandersetzung von Alma mit der damaligen Zeit
während des 2. Weltkrieges; ihrem streben nach Unabhängigkeit, Freiheit und eines Selbstbestimmten Lebens.

Die verschiedenen Farbgebungen der Drucke sind eine Definition von
Erlebnissen die A. K. während ihres Aufenthaltes bei den Partisanen beschreibt.

So steht die Farbe ROT für ihren geliebten Mantel der für sie charakteristisch war.
GRÜN bezieht sich auf den Wald und die Schönheit der Slowenischen Landschaft.
Für Schmerz, Trauer und Tod steht die Farbe SCHWARZ.

Barbara Hammer, Alma Karlin, Radierung, 2026

Barbara Hammer, About Alma Karlin, Holzschnitt/Woodcut, 2006 – 2026

Alma Maximiliane Karlin (* 12. Oktober 1889 in Cilli, Österreich-Ungarn, heute Slowenien; † 14. Januar 1950 in Pečovje, Gemeinde Štore bei Celje, Slowenien) war eine Journalistin und zwischen den Weltkriegen die meistgelesene deutschsprachige Reiseschriftstellerin. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre kurz nach dem Ersten Weltkrieg unternommene mehrjährige Weltreise und die darüber veröffentlichten Bücher.

Alma Karlin – eine ungewöhnliche Frau, ein Wesen weiblichen Geschlechts, wie sie sich selbst nannte, Schriftstellerin, Weltreisende, Forscherin, Polyglotte, Theosophin und Weltbürgerin ist eine eminente Persönlichkeit aus Celje, die unauslöschbar in der Erinnerung der Stadt und deren Einwohner verankert ist; in der slowenischen kulturellen Erinnerung stoßen das Wissen über sie und das Bewusstsein über ihre Überlieferung auf dem Gebiet der Literatur, der Forschung und Spiritualität immer zuerst gegen den nationalen Vorwurf – „sie war doch Deutsche, denn sie schrieb in deutscher Sprache“. Die Zeit, in der sie aufwuchs und zu einer individuellen Persönlichkeit heranreifte, war die Periode des Untergangs und Zerfalls der Österreichisch – Ungarischen Monarchie, und die Volkszugehörigkeit bedeutete Karlin nicht so viel wie die individuelle Persönlichkeit des Menschen.

Da wir zu Hause nur Deutsch sprachen und meine Mutter fast vierzig Jahre als Lehrerin an der deutschen Schule tätig war, wurde auch ich selbst der deutschen Erziehung teilhaftig und hatte Kontakte mit Deutschsprachigen, und da sogar im Haus meiner slowenischen Tante Deutsch mit mir gesprochen wurde, darf man mir meine Zugehörigkeit dem deutschen Volke und die natürliche Tatsache, dass ich das Resultat meiner Forschungen und Errungenschaften auf dem Gebiet der Literatur in erster Linie diesem Volke widmete, nicht vorwerfen. Der Mensch ist die Frucht seiner Erziehung.

Bei der Geburt mit einem Gebrechen und unsymmetrischen Augen geprägt, schrieb man ihr ein kurzes Leben zu und im Gegenfall geistige Zurückgebliebenheit. Ihr schwacher Körperbau blieb ihr zwar ihr ganzes Leben, sie entwickelte aber schon sehr früh ein sehr hohes Bewusstseinsniveau von sich selbst und ihren Zielen: die Sprachen der Welt zu verstehen, die ganze Welt zu umreisen und Schriftstellerin von Weltrang zu werden. Ihr Sprachtalent, das sie schon bei der informellen Schulung daheim in Celje entwickelte, erlebt seinen endgültigen Aufschwung in der Zeit ihres Aufenthaltes in London, 1908-1914, wo sie auf der Royal Society of Arts auch die Prüfungen aus acht Sprachen absolvierte. London und seine babylonische Mischung von Rassen, Kulturen und Sprachen festigten sie endgültig in ihrer Absicht, die Welt zu umreisen und über Erkenntnisse, Entdeckungen und Erlebnisse auf dem Weg zu berichten.

Das Resultat war eine achtjährige Reise um die Welt, der Besuch aller Kontinente und der Aufenthalt in den entlegensten Orten der menschlichen Zivilisation – worüber sie mit schreibwütigem Eifer laufend schrieb und zeichnete. Nach ihrer Rückkehr nach Hause schrieb sie darüber ihren berühmten Reisebericht in drei Teilen Einsame Weltreise, Erlebte Welt, Im Banne der Südsee, der mehrere Nachdrucke erlebte in einer Gesamtauflage von über 100.000 Exemplaren und ins Englische, Finnische und natürlich zuletzt ins Slowenische übersetzt wurde. Zu diesen Büchern reihten sich neue dazu, mit denen Karlin europaweiten, wenn nicht weltweiten Ruhm erlangte; im deutschen Kulturraum war sie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts so beliebt, dass man in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich sogar Alma Karlin Verbände gründete, wo sich Anhänger ihrer Werke und ihrer Weltanschauung trafen, die schwedische Nobelpreisträgerin – die Schriftstellerin Selma Lagerlöf – schlug sie informell sogar für den Nobelpreis vor; in Slowenien fanden ihre Werke keine richtige Resonanz, bis sie in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von den slowenischen Ethnologen „entdeckt“ wurde.

In der Herrschaftsperiode der dunklen Nazimächte, denen sich Karlin mit ihrem ganzen Wesen widersetzte, verbot sie die Veröffentlichung ihrer Bücher im Reich, und da sie Dissidenten vor den Nazis in Schutz nahm und ihnen half, sollte sie in Dachau ihr Ende finden – Druckausübungen seitens einflussreicher Reichsdeutschen und Bemühungen ihrer „Seelenschwester“, Thea Schreiber Gamelin, retteten sie vor dem sicheren Tod im Todeslager.

Karlin wurde von der großen Mehrheit nicht verstanden, in ihr sah man keine hoch entwickelte Persönlichkeit, sondern lediglich eine eigentümliche Frau, die keine Gleichheit zwischen Mann und Frau gefunden hatte, ihre Sehergabe, die Kenntnis der universellen Grundsätze und die Scharfsicht ihrer Gedanken wurden als Hexerei interpretiert.

Da das Volk sie nicht als die Seinige erkennen konnte, geriet sie ins Vergessen.