Ausstellung/Gartenkunst

Opening: Suchen & Finden

Barbara Hammer, Aus der Serie SÜDBAHN, Holzschnitt/woodcut 2022

Arbeiten von Barbara HammerMarkus Wilfling im kunstGarten und Werke von Lore Heuermann & Cy Twombly in der Street Gallery.
Kuratorin: Irmi Horn

Arbeiten von Barbara Hammer, Markus Wilfling im kunstGarten und Werke von Lore Heuermann & Cy Twombly in der Street Gallery.
Kuratorin: Irmi Horn

Die Ausstellung wird von Stadtrat Dr. Günter Riegler eröffnet. Zur Eröffnung spricht die Kunsthistorikerin Elisabeth Zuparic, BA.

Auf der Suche kann jemand nach etwas Verlorenem sein, aber auch auf der Suche nach etwas zu Entdeckendem.

Die einen werden die Suche lästig und anstrengend empfinden, die anderen spannend, herausfordernd und beglückend.

Wie Menschen ihren Lebensweg finden, kann von den sozio-politischen Strukturen ihrer Herkunft bestimmt sein.

Neugier und Wissensdurst, Anpassung an wechselnde Lebensbedingungen, kommunizierte Erfahrungen haben die Evolution vorangetrieben.

Um 1900 waren noch viele Menschen auf der Walz ( Tippelei, Gesellenwanderung). Ab dem 16. Jahrhundert gehörte die Wanderschaft für viele Gesellen sogar zur Pflicht.
Die Wanderschaft war also eine Voraussetzung, um Meister zu werden.

Hierzulande erfreuen wir uns eines demokratischen Rechtsstaats und vielen wird die Möglichkeit des Suchens & Findens angeboten. Künstler*innen gehen von unterschiedlichen Ansätzen aus.

Barbara Hammer hat sich auf eine Spurensuche in die Vergangenheit begeben und setzt die vergangene Wirklichkeit in Bezug zur aktuellen Realität des Reisens. Reisen als Suche nach Wissen, Erfahrung, Arbeit und Sehnsucht nach Ferne in vorhergegangenen Jahrhunderten steht oft krass im Gegensatz zu heutigen Reisen: Vergnügen, Entspannung, Lustgewinn oder Geschäftserweiterung.

Aber es gibt auch noch andere: Diejenigen aus Kriegsgebieten, Gewaltherrschaftsgebieten und Dürregebieten, die ums nackte Überleben kämpfen: Immigrant*innenen, die auf der Suche nach einer menschenwürdigen Heimat sind.

Sie zeigt eine Holzschnittserie SÜDBAHN:

Ein Walzbuch aus der Zeit der Monarchie inspirierte mich zur Holzschnittserie
SÜDBAHN. Die Arbeitssuche führte Evstahij Garbun, geb. 1886 im Ort Kanal
im Isonzotal (heute Kanal ob Soči in Slowenien) nach Triest und dann hinaus in
die weite Welt der Monarchie, bis er zuletzt in der Steiermark seinen Ruhestand
verbrachte.

Walzbuch (© courtesy of Barbara Hammer)

Barbara Hammer SÜDBAHN-WALZ, 2021/22

 

Reiserouten in umgekehrter Richtung brachten und bringen über die Südbahn die Österreicher*innen seit dem 19.Jahrhundert nach ihrem Sehnsuchtsort Triest. Und so führte
die Spurensuche auch mich von Graz über Wien, Bruck a.M., Maribor, Lubljana
und Postojna bis nach Triest ans Meer.

Die Holzschnittserie bezieht sich auf diese Spurensuche, stellt sich der Frage „ist der
Weg das Ziel“ und reflektiert die Zielsuche auf der lange Wegstrecke. Die abstrahierte Formgebung der Drucke verweist auf diese meist gebirgige Route, die mit der Geschichte
der Österreicher*innen und deren Sehnsucht nach dem Meer so eng verwoben ist.

Barbara Hammer wurde in Graz geboren, wo sie noch heute lebt und künstlerisch tätig ist.
Sie beschäftigt sich seit 1986 intensiv mit der Malerei und der Druckgrafik und suchte beständig nach Weiterbildung, so in Berlin und Dresden im Rahmen von Sommerakademien sowie in der Grafikwerkstatt Dresden (Technische Sammlung).
Barbara Hammer setzt sich in ihrer Kunst insbesonders mit dem Zeitgeschehen intensiv auseinander und bezieht Stellung zu Bedrohungen und Unrecht. Die Defizite im Umgang mit den Menschenrechten stehen aktuell im Zentrum ihrer Werke. Ihre zuletzt geschaffenen Radierungen sind zeitgemäße gesellschaftspolitische Statements.
Sie präsentierte ihre Werke bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland.
Sie ist Mitglied der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Österreichs und der Internationalen Vereinigung der Holzschneider XYLON, Sektion Österreich.

 

Markus Wilfling wird etwas Spezielles kreieren.

Wilfling, der bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste studierte, ist ein äußerst  profilierter österreichischer Künstler im Bespielen bestimmter Orte oder Räumlichkeiten. Er transformiert Alltagsgegenstände und -materialien zu oft monumentalen Kunstobjekten und Installationen und entwickelt seine ganz eigene Formensprache in der Bildhauerei .Markus Wilfling (1966, Innbruck, Österreich) ist Bildhauer und lehrt an der Ortweinschule Graz. Zahlreiche Ausstellungen seit haben ihn als bedeutenden österreichischen Künstler etabliert. Er lebt und arbeitet in der Steiermark.

Lore Heuermann (- die Powerfrau wird heuer 85 Jahre) & Cy Twombly verbindet eine Art Schriftmalerei, die darauf hinweist, dass Vieles  auf dieser Welt noch nicht begriffen wurde: Sie schaffen Zeichen in Zartheit und schwungvoller Geste, mit denen sie ästhetische Schriftbilder konstruieren, deren Gestik geheimnisvoll raumgreifend emotionale Erlebnisse des Suchen und Findens zulassen.

Lore Heuermann, *

Die in Münster geborene Lore Heuermann kam 1956 nach Wien. 1957/58 studierte sie an der Akademie der bildenden Künste Wien und 1958 an der Pariser Académie de la Grande Chaumière. In den 1960er Jahren machte sie Studienreisen nach Griechenland, in die Türkei, nach Syrien, Jordanien, in den Libanon und nach Ägypten, sowie 1978 nach Sizilien und auf Lampedusa in Italien. Seit Beginn der 1980er Jahre bereiste sie Länder fast aller Kontinente, darunter befanden sich 1984 ein Arbeits- und Studienaufenthalt bei Harvey Littleton (siehe Studioglasbewegung) in North Carolina (USA) und 1997/98 ein sechsmonatiges Stipendium in Fujino (Japan), sowie anlässlich von Ausstellungen und Performances.

Sie ist Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV) und seit dem Jahr 2000 der IG Bildende Kunst in Wien. 2005 war sie Kuratorin der Ausstellung Frauen machen Druck in der Galerie im Sitzungssaal in Wien.

Lore Heuermann war mit dem Schriftsteller und ehemaligen Berliner Gastwirt Oswald Wiener (1935–2021) verheiratet, von dem sie seit 1964 geschieden ist. Gemeinsam haben sie zwei Töchter und einen Sohn, darunter die Fernsehköchin und Unternehmerin Sarah Wiener (* 1962). Heuermann lebt und arbeitet seit den 1950er Jahren in Wien.

Edwin Parker „Cy“ Twombly Jr (US, 1928 – 2011) wurde in Lexington, Virginia, USA geboren und gehört zu der post-abstrakten Generation der Expressionisten. Als er zu Beginn der 1950er Jahre nach New York gezogen war, um an der Art Students League zu studieren,  traf er auf den Künstler Robert Rauschenberg (US, 1925 – 2008), der ihn ermutigte ans Black Mountain College zu gehen. Durch Dozenten und Kommilitonen dieser beiden Einrichtungen ließ er sich inspirieren. Twomblys frühe  Arbeiten zeigen eine gewisse  gestische Abstraktion, die auch Franz Kline (US, 1910 – 1962) zu eigen ist, doch er entwickelte bald seinen eigenen Stil.

Cy Twombly (1928-2011), Untitled, 2005. 128 x 194½ in (325.1 x 494 cm)

Nach einer Reise durch Europa, seiner Zeit bei der Armee und nach einer kurzen Zeit in New York, zog Twombly 1957 nach Italien. Er intensivierte seine Kenntnisse  der klassischen Literatur, Geschichte und Mythologie. Er wurde besonders bekannt mit seinen großen Graffiti-Gemälden, mit einer verwischten Grenze zwischen Zeichnungen und Malerei, er schuf allerdings auch einige Skulpturen, die sich teilweise auf die Mythologie beziehen. Viele Jahre war Twombly in Europa bekannter als in den Vereinigten Staaten, doch heute gilt er weltweit als einer der innovativsten Maler seiner Generation.