Film, Workshop/Diskussion/Vortrag

TOTSCHWEIGEN & Erinnerungsorte „Aktion T4“

Am 10. November um 19:00 setzen wir die Reihe GEGEN DAS VERGESSEN mit TOTSCHWEIGEN (A Wall Of Silence) fort. Das ist ein Dokumentarfilm der beiden österreichischen Filmemacher Margareta Heinrich und Eduard Erne aus dem Jahre 1994. Thema des Films ist das Massaker von Rechnitz.

Der Film versucht mit Hilfe von Interviews den ungeklärten Umständen des Massakers von Rechnitz im Jahre 1945 näher zu kommen. Er zeigt die vergebliche Suche nach dem Massengrab von ca. 200 ungarischen Juden, die sich damals auf dem Schlossgelände aufhielten.

In der Nacht eines Fests, das im März 1945 kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee im Schloss ausgerichtet wurde, nahmen die örtliche Parteiprominenz, SS-Männer und Führer der Hitlerjugend – nach Zeugenaussagen Gäste der Schlossherrin Gräfin Margit von Batthyány – an dem Massaker teil. Die Recherchen im Zusammenhang mit dem Filmprojekt erbrachten keine neue Erkenntnisse über die damaligen Geschehnisse ans Tageslicht.

Am Nachmittag  des 11.11. um 17:00 will kunstGarten mit einem  DokFilm  das Bewusstsein für Menschenrechte schärfen und verschwiegene und oft noch  unaufgeklärte Vergehen dagegen aufzeigen.

Dazu ist der Filmemacher Christoph Kolar aus Wien geladen, der im Artist Talk über seine Arbeit sprechen wird.

Erinnerungsorte „Aktion T4“: Hilda Slavik Filmprojekt von Christoph Kolar, 2011 Filmdauer: 34 Minuten Aufnahmeformat: 16mm transferiert auf DV Cam, Mini DV

Von 27. Jänner 1934 bis 22. Juli 1940 war Hilda Slavik Patientin in der Landes Heil und Pflegeanstalt für Geistes und Nervenkranke „Am Steinhof“. Die zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme 24 Jährige verbrachte ein Viertel ihres Lebens in dieser Anstalt. Wie kann man sich das Leben, aber nicht irgendein Leben in einer Psychiatrie vorstellen? Wie kann man das Leben Hilda Slaviks, von der es nicht einmal ein Foto gibt, in der Psychiatrie fassen? Ich verwende hierfür im Prolog die Psychiatrieerfahrungen Unica Zürns. Diese schrieb sie als Erzählung nieder. Diese Gedanken beschreiben für mich am besten Hilda Slaviks Leben in der Psychiatrie. Die Bilder im Prolog tasten die Psychiatrische Klinik in Gugging ab. Gugging war eine Psychiatrie während der „Aktion T4“ der Nationalsozialisten. Die „Aktion T4“ besser bekannt unter „Euthanasie Programm“ dauerte von Oktober 1939 bis August 1941. Laut der „Hartheimer Statistik“ wurden 70.273 PatientInnen umgebracht. Viele Psychiater und Ärzte die an diesen Tötungen maßgeblich beteiligt waren, konnten nach dem Krieg ihre Karieren fortsetzen. Hilda Slavik war die erste Frau meines Grossvaters Josef Slavik. Die Existenz von Hilda Slavik war in meiner Familie ein offenes Geheimnis. Es wurde nie darüber gesprochen. 2006 entdeckte ich Dokumente und meine Grossmutter Maria Slavik sprach erstmals offen über Hilda Slavik. Weitere Kapitel des Filmes sind: Interview mit Maria Slavik, die die Lebensgeschichte von Hilda Slavik erzählt. Maria Slavik bestätigt auch das damalige Wissen über das Schicksal der PatientInnen und die Existenz der Gaskammern. Ich verwende als Bildmaterial sowohl Frau Slavik, als auch Aufnahmen vom „Otto Wagner Spital“ (Steinhof). Hier schreite ich die Pavillons ab, in denen Hilda Slavik untergebracht war. Aufnahme in der T4 Tötungsanstalt Sonnenstein Pirna bei Dresden. Hier wurde der Totenschein fälschlicher Weise ausgestellt. Voice over mit den geschichtlichen Abriss dieses Gedenkortes. Mail von Herrn Schwanninger bezüglich der systematischen Fälschungen der Totenscheine durch die nationalsozialistischen „T4“ Organisation. Aufnahme in der T4 Tötungsanstalt Hartheim bei Linz. An diesen Ort wurde Hilda Slavik am 22. Juli 1940 deportiert und vergast. Ich schreite den letzten Gang ab. Voice over mit den geschichtlichen Abriss dieses Gedenkortes und der Bedeutung der „Aktion T4“ als Vorbereitung der „Aktion Reinhardt“, der Shoah der jüdischen Bevölkerung Europas, in sowohl personeller als auch technischer Hinsicht. Epilog: Vornamen der deportierten Frauen vom 22. Juli 1940. Aus dem Index zum Standesprotokoll von 1940.

Ich möchte am Beispiel von Hilda Slavik, den Opfern, soweit dies überhaupt möglich ist, die von den Tätern bewusst hinter der Anonymität von statistischen Zahlen versteckten Verbrechen, ihre Persönlichkeit zurückgeben.

Im Frühjahr 1940 führte man innerhalb weniger Wochen Umbauarbeiten hinsichtlich einer Adaption des Schlosses zu einer Euthanasie-Anstalt durch; die BewohnerInnen wurden zu diesem Zeitpunkt auf andere Pflegeanstalten im Gau Oberdonau verteilt. Sie sollten zu den ersten Opfern der Tötungsanstalt Hartheim werden.
Der erste Transport erreichte Hartheim am 20. Mai 1940. Zwischen 1940 und 1944 wurden im Schloss Hartheim rund 30.000 Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung sowie psychisch kranke Menschen ermordet. Sie waren teils PatientInnen aus psychiatrischen Anstalten und BewohnerInnen von Behinderteneinrichtungen und Fürsorgeheimen, teils Häftlinge aus den KZ Mauthausen, Gusen und Dachau sowie ZwangsarbeiterInnen.

INFORMATION

  • Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung bis spätestens 2 Stunden vor Programmbeginn unter kunstgarten@mur.at oder +43 316 262787