Literatur/Performance, Musik/Music

KÃœHLE STERNE

Hertha Kräftner, Archiv Dr. Günter Unger (Privataufnahme). Foto: Günter Unger

Irmi Horn stellt die Dichterin Hertha Kräftner vor und wird musikalisch von Irma Servatius (Viola) begleitet.

Die österreichische Dichterin Hertha Kräftner starb am 13. November 1951 in Wien mit 24 Jahren an einer Überdosis Veronal. Aus ihrer Lyrik und Prosa spricht eine Melancholie, die auch ihr Leben bestimmt hat.

Hertha Kräftner wurde am 26. April 1928 in Wien geboren. Ihr Vater Viktor und ihre Mutter Rosa zogen bald darauf von Wien zunächst ins mittelburgenländische Neutal, 1937 übersiedelte die Familie nach Mattersburg. Im Jahr 1940 kam ihr Bruder Günter zur Welt. Hertha Kräftner ging in Mattersburg zur Schule und maturierte 1946 am dortigen Realgymnasium. In der ausnahmslos von ihr selbst gestalteten Maturazeitung kam bereits früh ihr schriftstellerisches Talent zum Ausdruck. Erste Tagebucheinträge und Gedichte entstanden zu dieser Zeit. Sie zeugen von der reichhaltigen Imaginationskraft des Mädchens und einer schon früh ausgeprägten Sprachsensitivität. „Ich möchte immerfort Gedichte schreiben, aber zu viele Gedanken stürzen auf mich los“ lautet ihr erstes überliefertes Selbstzeugnis.

Ein Jahr vor ihrem Schulabschluss, im September 1945, war der Vater an den schweren Verletzungen, die ihm Monate zuvor ein, in das Haus der Familie eingedrungener, Soldat der Roten Armee zugefügt hatte, gestorben.  Das Sterben des Vaters sollte die Dichterin zeitlebens verfolgen. Immer wieder beschrieb sie in ihrem Werk Visionen vom Auftauchen des toten Vaters: „Aber dafür werden immer im Herbst die Toten so unruhig, / und da kommt an manchen Abenden / mich mein Vater besuchen / und trägt einen blauen wollenen Schal.“ (Die Eltern im Herbst, November 1950)

Im Herbst 1946 beginnt Hertha Kräftner in Wien Germanistik und Anglistik zu studieren. 1948 werden ihre ersten Gedichte veröffentlicht. Ab 1950 tritt Hertha Kräftner in Kontakt zu verschiedenen literarischen Zirkeln.Sie war erfolgreich, ohne viel Aufwand zu betreiben. Sie verliebt sich und verarbeitet das Zusammenleben mit dem Geliebten in ihren „Notizen zu einem Roman in Ich-Form“. Aber hier spricht sie nicht nur Leidenschaft an, sondern auch Gewalt – ein Thema, das sie schon früher in Abend behandelt hat. In ihrem Werk tritt der Tod immer stärker in den Vordergrund. Beinahe gelassen spielt sie die Fragen „der anderen“ nach den Gründen für ihren Tod durch. Es folgen Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und in der Sendereihe „Junge Dichter“.

In dem Band „In Memoriam“ nennt Hans Weigel sie eine „Selbstmörderin auf Urlaub“, deren Gemütszustand stark durch die Nichtanerkennung ihres Werkes beeinträchtigt war. Seine Bemühungen, Hertha Kräftner zu fördern, waren nur bedingt erfolgreich: Die „literarische Hoffnungslosigkeit“ konnte letztlich nicht durch kleine Erfolge aufgewogen werden.(Fem-Bio/ Der Standard)

INFORMATION

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