Elisabeth Carmen Puchianu
Die rumäniendeutsche Autorin und Performancekünstlerin Carmen Elisabeth Puchianu tritt in der Reihe Women Empowerment mit einer Lesung aus ihrem neuen Buch, das 2026 bei Paramon erscheinen wird – zusammen mit Improvisationen von Henrik Sande (Klavier) auf die Bühne.
Das Buchprojekt, das ich Ihnen vorstelle, umfasst 10 Erzähltexte unter dem Titel ALBUMBILDER. GESCHICHTEN. Die Texte sind im Zeitraum 2020 bis 2025 entstanden und wiederspiegeln Segmente der rumänischen Gegenwartsrealität, so wie man sie als deutschsprachig Schreibende aus unmittelbarer und bodenständiger Perspektive im heutigen Siebenbürgen/Transsylvanien erlebt und entsprechend literarisiert. Das geschieht unbeschönigt, ironisch gebrochen, mit einem Blick für die verquerte Komik nicht nur des Alltäglichen sondern auch der größeren Zusammenhänge politischer Geografie.
So reflektieren die Texte Persönliches in enger Verbindung mit Zeitgeschichtlichem; erzählt wird meist aus weiblicher Perspektive über die üblichen Fragen des menschlichen Daseins. Die Auseinandersetzung mit Themen, die ums Altern und Sterben sowie um Weiblichkeit und Körperlichkeit kreisen, verbindet die einzelnen Episoden, die sowohl auf Eigen- als auch auf Fremderlebtem beruhen. Der Erzähldiskurs weicht oft vom chronologischen Erzählen ab, er folgt den Gedankengängen der Protagonistinnen, lässt assoziative Verbindungen und Zusammenhänge entstehen, die auf frühere gesellschaftliche Zustände im Kultur- und Sprachraum der ehemaligen Donaumonarchie, zu der auch Siebenbürgen gehörte, hinweisen.
Um dem inter- und multikulturellen/multiethnischen Charakter meiner Heimatregion gerecht zu werden, setze ich in den Geschichten immer wieder gerne rumänisch- und/oder ungarischsprachige Wendungen und ganze Dialogteile ein, die ich in entsprechenden Fußnoten ins Deutsche übersetze. In einigen Texten kommen weitere fremdsprachliche Wendungen zum Tragen.
Der erste Prosatext, Die Bescherte, stellt in der Chronologie der Entstehung den Ursprungstext dar. Dem Text sind folgende Geschichten nachgestellt: Eine Boje auf dem Meer, Spieleinsatz, Allerseelen und Albumbilder-Prosaimprovisationen auf ein lyrisches Thema in sechs Sequenzen: Renee sur Mer, Eine Ankunft, Absacker, Haus mit Pileta , Offene Schleusen und Projektfindung.
Bekannt als Autorin, die ihre eigenen Text performativ vorträgt, gewährt Carmen Elisabeth Puchianu dem Publikum Einblick in ihre Gedankenwelt und ihr Gefühlsleben.
Carmen Elisabeth Puchianu ist heute eine der bedeutenden Akteurinnen der Kulturszene in Brasov. Sie machte als Schriftstellerin, vor allem aber als Regisseurin und Darstellerin der experimentellen Bühne seit Anfang der 1990er Jahre auf sich aufmerksam.
Zur Person Carmen Elisabeth Puchianu:

Elisabeth Carmen Puchianu 2022
Carmen Elisabeth Puchianu, geb. in Kronstadt (Brașov) am 27.11.1956, dreisprachig aufgewachsen (deutsch, ungarisch, rumänisch), deutsch-evangelisch erzogen. Besuch der deutschen Schule in Kronstadt , Abitur am Hoterusgymnasium 1975, anschließend Anglistik- und Germanistikstudium an der Bukarester Universität bis 1979.
Den damaligen Anordnungen entsprechend Zuteilung als Englischlehrerin an eine Dorfschule in rein rumänischer Umgebung (Kreis Prahova), mehr als 100km weit von der Heimatstadt entfernt.
Ab 1983 Englisch- und ab 1987 Deutschlehrerin an der Honterusschule in Kronstadt.
1995 Antrittsvorlesung über Kafkas Werk und anschließende Einstellung als Lektorin, für Deutsche Literatur an der Transilvania Universität, Kronstadt. Seit 2000 Leiterin des Lehrstuhls für Fremdsprachen und Literatur (Philologische Fakultät), 2004 Promotion über Thomas Mann. Ab 2007 Dozentin, seit 2017 habilitierte Professorin.
Literarische Veröffentlichungen seit 1980: Lyrik in der Zeitschrift Neue Literatur (Bukarest) u.a. deutschsprachigen Publikationen aus Rumänien.
1988 Debüt als Lyrikerin in der Anthologie Der zweite Horizont. Klausenburg: Dacia
1991: erster Eigenband Das Aufschieben der zwölften Stunde auf die dreizehnte. Gedichte. Klausenburg: Dacia
1995: Amsel – schwarzer Vogel. Erzählungen. München: Lagrev
1998: Der Ameisenhaufen und andere Geschichten. Kronstadt: Aldus
2001: Ein Stückchen Hinterhof. Novellistische Familienchronik. Hermannstadt: hora
2002: Unvermeidlich Schnee. Gedichte. Passau: Stutz
2007 Der Begräbnisgänger. Geschichten. Passau: Stutz.
2008 Verortete Zeiten. Gedichte. Kronstadt: Aldus
2011 Patula lacht. Roman. Passau: Stutz, K; Auflage: 1
2019 Die Professoressa. Ein Erotikon in gebundener und ungebundener Rede. Die POP-Verlag-Epikreihe, Bd. 102, 176 Seiten, ISBN: 978-3-86356-244-1
Literaturwissenschaftliche und didaktische Schriften:
1998: Das Schulspiel im Deutschunterricht und außerhalb des selben. Handbuch für Deutschlehrer. Kronstadt: Aldus
2006: Der Splitter im Auge. Überlegungen zur Interpretation einiger Erzählwerke von Thomas Mann. Passau: Stutz
seit 1999 Herausgeberin der Kronstädter Beiträge zur germanistischen Forschung. Kronstadt: Aldus.
Literaturwissenschaftliche Aufsätze in Fachzeitschriften, Rezensionen, Theaterchroniken.
Schüler- und Studententheater:
Mitglied des Rumänischen Schriftstellerverbands sowie der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens; Vorsitzende des Deutsch-Rumänischen Kulturvereins Kronstadt und Kulturreferentin des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (Ortsforum Kronstadt).
Lesungen im In- und Ausland (hauptsächlich im deutschsprachigen Raum, ebenso in Ungarn und Frankreich).
Sie setzt sowohl die realistisch-kritische Lyrik der jüngeren rumäniendeutschen Lyrik fort, wie auch die satirisch pointierte Kurzgeschichte. 1997 erhielt sie einen Preis der Kronstädter Filiale des rumänischen Schriftstellerverbandes, der sie auch schon 1993 mit einem Preis für ihre Lyrik ausgezeichnet hatte.

Henrik Sande
Henrik Sande, geb. 24/12 1968 in Bærum bei Trondheim/N, studierte in Hamburg und Graz Komposition, lebt und arbeitet als Komponist und Lehrer in Graz.
INFORMATION
- Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung bis spätestens 2 Stunden vor Programmbeginn – bei einer Matinée bitte bis zum Vorabend – unter kunstgarten@mur.at oder +43 316 262787
- Preis
