Ausstellung/Gartenkunst

Opening Ausstellung: GEERDETE ILLUSIONEN

Christine Ulm, "Dactylopius coccus", 2026, Basalt & Natur

Josef Fürpaß A, Monika Schönbacher-Frischenschlager A,  Christine Johanna Ulm A.
Kuratiert von Irmi Horn

Begrüßung: Vizebürgermeisterin Mag.a Judith Schwentner

Einführung: Kunsthistorikerin Elisabeth Zuparic, MA

Überlegungen der Kuratorin:

Josef Fürpaß und  Christine Ulm gestalten mittels unterschiedlicher Zugänge Bezüge zu Wesentlichem in unserem Leben: Erfahrung, Freude, Erkenntnis, Endlichkeit.

Einige Werke sind speziell für diese Ausstellung entstanden. Christine Johanna Ulm hat alle ihre Arbeiten für die Ausstellung entwickelt.

Das Zusammenleben so diverser menschlicher Weltvorstellungen, die sich teilweise unschuldig darstellen auf Grund ihres erkenntnistheoretischen Unwissens entstanden, andererseits teilweise aggressiv dagegen halten, hat uns in eine explosive Sphäre gebracht; trotz vieler Erkenntnisse, wird der Weltzerstörung nicht Einhalt geboten.

Also geht es um brisante Empathie, Achtung und Einsatz: gegen Egozentrismus, der persönliche Wichtigkeit und Individualität als oberstes Prinzip hat und nicht die Möglichkeit erachtet, dieses Einzigartige in den Dienst der Menschlichkeit im Sinn der Menschenrechte zu stellen.

Im Aufwachsen haben viele die Möglichkeit Erkenntnis zu sammeln, Freude zu erleben, sich zu ertüchtigen, Verbindungen herzustellen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, Lebensraum zu gestalten.

Die Erfahrung wird wohl in die Richtung gehen, zusammen mit der Erkenntnis, dass wir in gegenseitigen Abhängigkeiten leben, und um diese freudvoll  gestalten zu können bedarf es der Akzeptanz, des Respekts und des Nutzens unserer Lebenszeit in Achtsamkeit. So haben wir die Möglichkeit, der Welt in Liebe gegenüberzutreten.

Die Medien, die der Menschheit zur Seite stehen, sind Natur, Kunst, Wissenschaft.

Die Ausstellung geht bis zum 7. März 2027.

Josef Fürpaß, geboren in Feldbach/Stmk., besuchte ein humanistisches Gymnasium 1970 bis 1978 (Abschluß) und lebt als Buchgestalter, Zeichner, Maler & Bandoneonist in Graz und
St. Katharein an der Laming/Österreich.
Er ist Gründungsmitglied des Vereins DruckZeug und war 2012 bis 2014 Betreiber & Programmgestalter der Keplerkoje in Graz. Er ist auch Mitbegründer des Vereins Am Glacis, Kunst & Kultur (2025).
2011 – 2025 war er Lehrbeauftragter an der Meisterklasse für Kunst & Gestaltung / Ortweinschule Graz, Abteilung Malerei mit Schwerpunkt Analoge Drucktechniken.
Seit 1985 ist er freischaffend gestalterisch tätig mit zahlreichen Ausstellungen in Österreich, Deutschland & der Schweiz und kann auf diverse private und öffentliche Ankäufe (u. a. vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Land Steiermark, Stadt Graz; Artothek Wien etc.) verweisen.
Er ist Preisträger beim 1. Exlibris-Wettbewerb 1986 (Auftragspreis der CA);
als Buchgestalter und Illustrator in einigen Verlagen (Bibliothek der Provinz, Haymon-Verlag, Yara-Verlag, CLIO Graz);
Veröffentlichungen in Zeitschriften & Publikationen (STERZ/Graz/A, SPEKTRUM/Zürich/CH, WOCHENBLATT/St. Gallen/CH, Offizin S/Meran/Südtirol).

Überlegungen von Josef Fürpaß zu GEERDETE ILLUSIONEN:
1. Psychologie & Spiritualität: Akzeptanz der Realität
In der Psychologie und modernen Achtsamkeitslehre beschreibt „geerdet sein“ einen Zustand der Stabilität und des Realitätsbezugs. „Geerdete Illusionen“ können hier Folgendes bedeuten:
Spirituelle Akzeptanz: Ein Glaube an Dinge, die über das Greifbare hinausgehen, aber dennoch eine geerdete spirituelle Akzeptanz schaffen, die im Alltag hilft.
Wahrnehmungskorrektur: Während Illusionen oft Fehlinterpretationen von Reizen sind, hilft „Erdung“ dabei, diese Täuschungen (wie etwa durch Angst induzierte Projektionen) zu erkennen und zur menschlichen Realität zurückzukehren.
2. Kunst & Kultur: Greifbare Täuschung
In der Kunstwelt wird der Begriff genutzt, um Werke zu beschreiben, die fantastische Elemente so darstellen, dass sie plausibel und „echt“ wirken:
Theater & Ballett: Inszenierungen werden oft als „geerdet“ bezeichnet, wenn sie trotz eines fantastischen oder abstrakten Rahmens (z. B. Shakespeares Geisterwelt oder Schwanensee) menschlich greifbar und plausibel bleiben.

Fürpaß zeigt Arbeiten aus einigen Werkzyklen, darunter auch speziell für kunstGarten zwei neue Schablonaden und gibt Einblick in sein vielfältiges Schaffen.

Josef Fürpaß, Zwei Schablonaden (Vorder- & Rückseite):
„Vom Werden, Wachsen & Vergehen“ (Lack auf Kupferscheibe, d: 100 cm; 2026)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die in Graz geborene freischaffende Künstlerin Monika Schönbacher-Frischenschlager lebt heute in Gedersberg bei Graz lebt und arbeitet. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Pädagogin mit dem Schwerpunkt Bildnerische Erziehung und gab ihr Wissen lange Zeit in der Lehrerfortbildung weiter. Seit 1991 widmet sie sich gänzlich der Kunst. Ihr vielseitiges Schaffen umfasst Malerei, Bildobjekte, Installationen sowie Projekte im öffentlichen Raum. In ihren künstlerischen Zyklen setzt sie sich intensiv mit gesellschaftspolitischen, humanistischen und ökologischen Themen auseinander. Sie thematisiert die Natur in all ihren Facetten sowie drängende Probleme wie die Zerstörung von Lebensräumen. Sie arbeitet interdisziplinär, neben großflächigen expressiven Malereien, sind Druck, Zeichnung, Aquarell, Buch und Film ihre Medien.
Ihre Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen.

Monika Schönbacher-Frischenschlager zeigt ein Video aus 2026, in dem sie natürliche Erscheinungsformen artifiziell in eine Bilderabfolge einreiht, die einerseits die Abhängigkeit aller Lebewesen von den umgebenden atmosphärischen Bedingungen und der Handhabung durch die Menschheit zeigt, andererseits auf die Wertschätzung dieser Lebewesen auch als Inspiration hinweist.

Monika Schönbacher-Frischenschlager, BLÄTTER IM WIND, Video 2026, Filmstill

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christine Johanna Ulm, 1957 geboren in Mürzzuschlag, Steiermark lebt in Wien und Spanien.
1986 – 93 Studien der Bildhauerei an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und an der Facultad de Bellas Artes in Barcelona.

Sie präsentiert ein“Insekten-Begräbnis“(Arbeitstitel), eine Zikkurat.
In künstlerisch ästhetischer Weise bildet sie die Wertigkeit  für eine „gesunde“ Welt über die Vielfalt von Insekten ab, deren wir über Achtlosigkeit, Ignoranz und Habgier verlustig gehen.

„Abgesehen von dem Bereich, der vor allem die heimische Klimazone im Blickwinkel hat, manifestieren sich in der ausgestellten künstlerischen Zikkurat auch Sammelobjekte, die ich bei ausgedehnten Aufenthalten in Spanien, sowohl in mediterranen als auch subtropischen Zonen entdecken  konnte.

Ich freue mich, wenn es gelingt, dem/der Einen oder Anderen Lust zu machen auf ein genaues Hinschauen auf das viele Erstaunliche, von dem wir umgeben sind, auf das Experimentieren mit Formen und Geschmäckern und – nicht zuletzt – das Bewusstsein zu fördern, dass für diese Wunderwelt Sorge zu tragen ist.

Der Faden dieser Thematik, die mich von Jugend an beschäftigt, führt von meinem Lehrer
Prof. Helmuth Schweiger (1914 – 1972) über Gärten in verschiedenen Klimazonen, die ich nutzen durfte hin zu künstlerischen Objekten und Arrangements, in denen sich das Interesse von Zeit zu Zeit verdichtet hat.“

„Monument für kleine Tiere“
Meine spezielle Affinität zur Beobachtung der mich umgebenden (besonders auch der unscheinbaren) Natur, lässt mich in der angekündigten Präsentation zum wiederholten Male die Insekten (genauer die Arthropoden/Gliederfüßer) fokussieren.
Im Grazer kunstGarten folge ich nun dem Bedürfnis, einen Teil meiner im Rahmen künstlerischer Präsentationen gesammelten Exemplare der Erde zu übergeben.
Als würdige Hülle dafür wird eine Zikkurat aus ungebranntem Ton dienen, die letztlich auch zu Erde zerfallen wird.
Gekrönt wird dieses „Modell eines vorchristlichen Tempelbaus“ von einer kleinen Skulptur aus Basalt, die eine Koschenille-Laus darstellt. Ein sogenanntes „Nutzinsekt der Farbgewinnung“, das ich auf den Kanarischen Inseln vorgefunden und in der Folge jahrelang immer wieder für künstlerische Arbeiten genutzt habe. Dafür mussten die Läuse allerdings ihr Leben lassen. Die Skulptur möge als kleine Gabe des Ausgleichs wirken….
Ich freue mich, dieses Denkmal nun umsetzen zu können und es hier im kunstGarten in den Naturkreislauf zurückzuführen.
Es kommt also zu einer „Erdung“ im direkten Wortsinn, mit der ich eine reale „Illusion“(*) ausdrücke, einen Beitrag zu leisten dafür, dass das Staunen über die unscheinbaren Wesen um uns herum sich verbreitet und ihrem Wohlergehen zugutekommt.
(*im Spanischen bedeutet ilusión : Freude)
Abgesehen von der Zikkurat sind in 2 Guckkästen je 5 Leuchtbilder von Koschenilleläusen und Zitterspinnen zu betrachten.

Christine Johanna Ulm
2026

Christine Johanna Ulm

Cochenille

Christine Ulm, Koschenille Schildlaus, Basalt, 2026