Ausstellung/Gartenkunst

Tag der Druckkunst: WHAT ABOUT ALMA KARLIN?

Barbara Hammer, About Alma Karlin, Radierung, 2026 - Ausschnitt/Detail

Am 15. März wird der Eintrag der traditionellen Drucktechniken in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission als Tag der Druckkunst gefeiert.

kunstGarten beteiligt sich mit einer Ausstellung mit Arbeiten von Barbara Hammer (A), weiteren Künstlerinnen vom Verein Österreichisch-slowenische Freundschaft Graz / Društvo Avstrijsko-slovensko prijateljstvo Gradec, Christine Kertz, Elisabeth Raunig mit Keramik, Christa Winter Huber und einem Interview von Frau Uni-Prof. Kasilda Bedenk mit der slowenischen Schriftstellerin Jerneja Jezernik  und einer Lesung von Irmi Horn.

Ausstellung bis 2. Mai 2027

 

Barbara Hammer setzt sich in ihren Arbeiten mit dem Leben von Alma Karlin und ihrer besonderen Lebensgeschichte auseinander und verortet diese mit 2 künstlerischen Positionen nach FIJI und nach Slowenien.

ZU FIJI
2008 führten private Ereignisse Barbara Hammer nach FIJI.
Fast 100 Jahre zuvor bereiste Alma Karlin die Südsee und erlebte
FIJI zu beginn des 20. Jahrhundert.

Die inzwischen stattgefundenen veränderten Lebenswelten auf FIJI
werden von B.H. in minimalistische Holzschnitte umgesetzt und kommentieren die Gegenwart wobei die Drucke neue Wahrnehmungsmuster aufbrechen.

ZU SLOWENIEN
Die 2025/26 entstandenen Radierungen sind Ausdrucksmittel um sich dem
Leben von A.K. in der Zeit um 1943/44 zu nähern.
Sie verkörpern die Auseinandersetzung von Alma mit der damaligen Zeit
während des 2. Weltkrieges; ihrem streben nach Unabhängigkeit, Freiheit und eines Selbstbestimmten Lebens.

Die verschiedenen Farbgebungen der Drucke sind eine Definition von
Erlebnissen die A. K. während ihres Aufenthaltes bei den Partisanen beschreibt.

So steht die Farbe ROT für ihren geliebten Mantel der für sie charakteristisch war.
GRÜN bezieht sich auf den Wald und die Schönheit der Slowenischen Landschaft.
Für Schmerz, Trauer und Tod steht die Farbe SCHWARZ.

Barbara Hammer, Alma Karlin, Radierung, 2026

Barbara Hammer, About Alma Karlin, Holzschnitt/Woodcut, 2006 – 2026

Barbara Hammer wurde in Graz geboren, wo sie noch heute lebt und künstlerisch tätig ist.
Sie beschäftigt sich seit 1986 intensiv mit der Malerei und der Druckgrafik und suchte beständig nach Weiterbildung, so in Berlin und Dresden im Rahmen von Sommerakademien sowie in der Grafikwerkstatt Dresden (Technische Sammlung).
Barbara Hammer setzt sich in ihrer Kunst insbesonders mit dem Zeitgeschehen intensiv auseinander und bezieht Stellung zu Bedrohungen und Unrecht. Die Defizite im Umgang mit den Menschenrechten stehen aktuell im Zentrum ihrer Werke. Ihre zuletzt geschaffenen Radierungen sind zeitgemäße gesellschaftspolitische Statements.
Sie präsentierte ihre Werke bereits in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland.
Sie ist Mitglied der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Österreichs und der Internationalen Vereinigung der Holzschneider XYLON, Sektion Österreich.

Christine Kertz geboren und wohnhaft in Köflach/Steiermark. Seit 1987 Beschäftigung mit Malerei, – Aquarell, Acryl, Mischtechnik und Druckgrafik. Ausbildung bei Edda Mally/Wien, Richard Bauschmid/Akademie München, Franz Rogler/Akademie Graz und August Svoboda. Seminare und Studienreisen seit 1990 – Österreich, Spanien, Equador, Frankreich, Italien, Mexiko, Deutschland, USA, Indien, Argentinien, China. 2007 – 2009 Kirchliche Pädagogische Hochschule Graz a.o.H. „Estetic tracking – artistic fields of experience and acts“ mit Diplomarbeit. Ausbildung in Druckgrafik – Centro de Edicion, Buenos Aires/Argentinien uvm. Seit 1998 Organisation von internationlen und nationalen Kunstprojekten, Künstlersymposien und Ausstellungen. z.B. der Internation. Künstlersymposien in Voitsberg und Unterpremstätten, geführt wie Biennalen. Teilnahme an Künstlersymposien sowie Einzel- und Gemeinschaftausstellungen weltweit. Illustration von Büchern: Beteiligung mit Text u. Grafik am Buch „HAB DEN DER DIE DAS“ für Friederike Mayröcker und Andrea Wolfmayr „Über den Wechsel“ Bilder im öffentlichen und privaten Raum, z.B.: Amt der Steierm.Landesregierung Sammlung Gegenwartskunst der Wirtschaftskammer Steiermark Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz Lori Ritschl Foundation Graz CAM_Casoria Contemporary Art Museum Neapel Museo Contemporary San Lorenzello/Italien Steiermarkhof Graz Alfred Schmeller Award 2024 und 2025 – Anerkennungspreis Free International Artists – Award „Scintilla dell’Ingegno/Neapel 2024 Seit 2017 Präsidentin von Xylon Österreich und von Steiermark Global Artconnection.

Elisabeth Raunig – Künstlerin und Keramikerin

Elisabeth Raunig wurde 1960 in Köflach, Österreich, geboren und ist eine Künstlerin, deren Arbeiten sich durch eine tiefgreifende und individuelle Ausdruckskraft auszeichnet. Ihre künstlerische Reise begann vor über 40 Jahren, als sie die Töpferei als Ausgleich zu ihrem Beruf im Gesundheitswesen entdeckte. Schon bald nach ihren ersten Versuchen war sie von der Kunst des Töpferns fasziniert, was sie dazu antrieb, ihre Kenntnisse durch Fortbildungen bei namhaften Künstlern kontinuierlich zu erweitern.

Raunig’s künstlerisches Schaffen ist nicht nur das Ergebnis von technischem Können, sondern auch von einer intensiven Auseinandersetzung mit verschiedenen Kulturen und der Welt um sie herum. Zahlreiche Reisen in abgelegene Gebiete der Erde prägten ihren kreativen Prozess und führten sie zu einer einzigartigen Formensprache im plastischen Gestalten. Ihre Werke entstehen oft intuitiv, wobei zu Beginn des kreativen Prozesses noch nicht feststeht, ob das fertige Werk eine Maske, ein Kopf oder eine andere Skulptur wird. Diese Offenheit und Flexibilität im Entstehungsprozess lassen ihre Werke lebendig und dynamisch wirken.

Als Mitglied der Kunstfabrik Lipizzanerheimat hat Raunig die Möglichkeit, in einem kreativen Umfeld zu arbeiten, das es ihr erlaubt, ihre Eindrücke und Inspirationen in ihre Arbeiten zu integrieren. Die Vielfalt und das emotionale Gewicht, das in ihren Keramiken steckt, spiegeln sich in der Breite ihrer Werke wider, die von zarten Miniaturen mit einer Größe von nur 2 cm bis hin zu monumentalen Skulpturen von bis zu 150 cm reichen. Einige ihrer Skulpturen wiegen bis zu 20 kg, was die handwerkliche Präzision und den physischen Aufwand, den Raunig in ihre Arbeit investiert, verdeutlicht.

Ein markantes Merkmal von Elisabeth Raunig’s Kunst ist die persönliche Bindung, die sie zu vielen ihrer Werke hat. Einige ihrer Arbeiten sind „unverkäuflich“, da sie mit tiefen Erinnerungen und Emotionen verbunden sind – Erinnerungen an besondere Ereignisse und Lebensabschnitte, die in diese Werke eingeflossen sind. So wird ihre Kunst nicht nur als ästhetisches, sondern auch als emotionales Zeugnis ihres Lebens und ihrer Erfahrungen sichtbar.

Mit jeder neuen Skulptur entfaltet Elisabeth Raunig ein Stück ihrer Weltanschauung, ihre Vision von Form, Material und Ausdruck – und zeigt damit ihre tiefe Verbindung zu der Kunst, die sie als Ausdruck ihrer Seele versteht.

 

Alma Maximiliane Karlin (* 12. Oktober 1889 in Cilli, Österreich-Ungarn, heute Slowenien; † 14. Januar 1950 in Pečovje, Gemeinde Štore bei Celje, Slowenien) war eine Journalistin und zwischen den Weltkriegen die meistgelesene deutschsprachige Reiseschriftstellerin. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre kurz nach dem Ersten Weltkrieg unternommene mehrjährige Weltreise und die darüber veröffentlichten Bücher.

Alma Karlin – eine ungewöhnliche Frau, ein Wesen weiblichen Geschlechts, wie sie sich selbst nannte, Schriftstellerin, Weltreisende, Forscherin, Polyglotte, Theosophin und Weltbürgerin ist eine eminente Persönlichkeit aus Celje, die unauslöschbar in der Erinnerung der Stadt und deren Einwohner verankert ist; in der slowenischen kulturellen Erinnerung stoßen das Wissen über sie und das Bewusstsein über ihre Überlieferung auf dem Gebiet der Literatur, der Forschung und Spiritualität immer zuerst gegen den nationalen Vorwurf – „sie war doch Deutsche, denn sie schrieb in deutscher Sprache“. Die Zeit, in der sie aufwuchs und zu einer individuellen Persönlichkeit heranreifte, war die Periode des Untergangs und Zerfalls der Österreichisch – Ungarischen Monarchie, und die Volkszugehörigkeit bedeutete Karlin nicht so viel wie die individuelle Persönlichkeit des Menschen.

Da wir zu Hause nur Deutsch sprachen und meine Mutter fast vierzig Jahre als Lehrerin an der deutschen Schule tätig war, wurde auch ich selbst der deutschen Erziehung teilhaftig und hatte Kontakte mit Deutschsprachigen, und da sogar im Haus meiner slowenischen Tante Deutsch mit mir gesprochen wurde, darf man mir meine Zugehörigkeit dem deutschen Volke und die natürliche Tatsache, dass ich das Resultat meiner Forschungen und Errungenschaften auf dem Gebiet der Literatur in erster Linie diesem Volke widmete, nicht vorwerfen. Der Mensch ist die Frucht seiner Erziehung.

Bei der Geburt mit einem Gebrechen und unsymmetrischen Augen geprägt, schrieb man ihr ein kurzes Leben zu und im Gegenfall geistige Zurückgebliebenheit. Ihr schwacher Körperbau blieb ihr zwar ihr ganzes Leben, sie entwickelte aber schon sehr früh ein sehr hohes Bewusstseinsniveau von sich selbst und ihren Zielen: die Sprachen der Welt zu verstehen, die ganze Welt zu umreisen und Schriftstellerin von Weltrang zu werden. Ihr Sprachtalent, das sie schon bei der informellen Schulung daheim in Celje entwickelte, erlebt seinen endgültigen Aufschwung in der Zeit ihres Aufenthaltes in London, 1908-1914, wo sie auf der Royal Society of Arts auch die Prüfungen aus acht Sprachen absolvierte. London und seine babylonische Mischung von Rassen, Kulturen und Sprachen festigten sie endgültig in ihrer Absicht, die Welt zu umreisen und über Erkenntnisse, Entdeckungen und Erlebnisse auf dem Weg zu berichten.

Das Resultat war eine achtjährige Reise um die Welt, der Besuch aller Kontinente und der Aufenthalt in den entlegensten Orten der menschlichen Zivilisation – worüber sie mit schreibwütigem Eifer laufend schrieb und zeichnete. Nach ihrer Rückkehr nach Hause schrieb sie darüber ihren berühmten Reisebericht in drei Teilen Einsame Weltreise, Erlebte Welt, Im Banne der Südsee, der mehrere Nachdrucke erlebte in einer Gesamtauflage von über 100.000 Exemplaren und ins Englische, Finnische und natürlich zuletzt ins Slowenische übersetzt wurde. Zu diesen Büchern reihten sich neue dazu, mit denen Karlin europaweiten, wenn nicht weltweiten Ruhm erlangte; im deutschen Kulturraum war sie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts so beliebt, dass man in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich sogar Alma Karlin Verbände gründete, wo sich Anhänger ihrer Werke und ihrer Weltanschauung trafen, die schwedische Nobelpreisträgerin – die Schriftstellerin Selma Lagerlöf – schlug sie informell sogar für den Nobelpreis vor; in Slowenien fanden ihre Werke keine richtige Resonanz, bis sie in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von den slowenischen Ethnologen „entdeckt“ wurde.

In der Herrschaftsperiode der dunklen Nazimächte, denen sich Karlin mit ihrem ganzen Wesen widersetzte, verbot sie die Veröffentlichung ihrer Bücher im Reich, und da sie Dissidenten vor den Nazis in Schutz nahm und ihnen half, sollte sie in Dachau ihr Ende finden – Druckausübungen seitens einflussreicher Reichsdeutschen und Bemühungen ihrer „Seelenschwester“, Thea Schreiber Gamelin, retteten sie vor dem sicheren Tod im Todeslager.

Karlin wurde von der großen Mehrheit nicht verstanden, in ihr sah man keine hoch entwickelte Persönlichkeit, sondern lediglich eine eigentümliche Frau, die keine Gleichheit zwischen Mann und Frau gefunden hatte, ihre Sehergabe, die Kenntnis der universellen Grundsätze und die Scharfsicht ihrer Gedanken wurden als Hexerei interpretiert.

Da das Volk sie nicht als die Seinige erkennen konnte, geriet sie ins Vergessen.