Ausstellung/Gartenkunst

Opening Anaïs Horn & Birke Gorm: blooming simulacra jeden Fr, Sa 15:30 – 19:00 und täglich nach Vereinbarung bis 31. August

Blooming Simulacra (c) Anaïs Horn 2022-Videostill

Anaïs Horn, Birke Gorm

Birke Gorm (Hamburg 1982) studierte an der Hochschule für bildenden Künste in Hamburg und an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für ihre Serie How to do Anything wählt sie als Ausgangmaterial den Jutesack – ein Gegenstand, der als archaischer Warenbehälter und Symbol des Welthandels verstanden wird, dient Birke Gorm als künstlerisches Ausdrucksmittel. Indem sie das Material von seiner Funktion löst und eine Art Leinwand daraus kreiert, erschafft sie Möglichkeiten, neue Kontexte zu transportieren. Sie bearbeitet ihr Trägermaterial und näht ihre Motive darauf. Ähnlich wie beim Zeichnen, allerdings mit zur Hilfenahme von Jutefasern, kreiert Gorm ihre individuelle Bildsprache. Die Wahl ihrer Bildinhalte ist dabei äußerst gegenwärtig – aktuelle organisatorische Arbeitsformen und die damit oft verbundene Selbstregulierung und Selbstoptimierung sind Gegenstand von Gorms Serien. Der haptische handwerkliche Arbeitsprozess, den die Künstlerin vornimmt, stellt ein Gegengewicht zu vielen ihrer Bildmotive dar, die unsere heutige Leistungsgesellschaft veranschaulichen. Birke Gorm ist Anerkennungspreisträgerin des STRABAG Artaward International 2020.
Anaïs Horn, geboren in Graz (AT), lebt und arbeitet in Paris (FR).
Mit einem Hintergrund in Literatur und Kommunikationsdesign schloss sie 2015 die Friedl Kubelka Schule für künstlerische Fotografie in Wien ab. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Residencies, u.a. an der Cité Internationale des Arts, Paris (2017- 2018 und 2021) oder am ISCP New York City (2020, 2022).
In ihrer künstlerischen Praxis verwebt sie häufig Literatur/Text und Fotografie/Video/Zeichnung/Malerei und erforscht Momente der Intimität mit einem besonderen Interesse an Themen wie Liminalität und Coming-of-Age. Sie beobachtet Menschen und ihre Räume, überschreitet sanft Grenzen, öffnet das Private und macht Intimität zu einer sinnlichen Erfahrung. Dabei erforscht sie Zeit, Erinnerungen, Vergänglichkeit, den Körper und seine Spuren, das vorsichtige Eindringen in die Privatsphäre sowie die Ästhetik von Realität und Flüchtigkeit. Ihre Bilder nehmen Gestalt an – auf verschiedenen Oberflächen und in Objekten – und fügen sich oft zu raumgreifenden Installationen zusammen.
Das Künstlerbuch ist ein wichtiges Medium für ihre Arbeit: 2021 erschien ihr Fotobuch Fading bei DCV, Berlin, sowie Die Hand voller Stunden, so kamst du zu mir, das ihre Solo-Showbei Camera Austria, Graz, begleitete. Im Jahr 2020 erschienen ihre Künstlerbücher Je suis malheureuse et heureuse und How do you feel about „Lou“? (in Zusammenarbeit mit Eilert Asmervik) bei META/BOOKS, Amsterdam (metabooks.nl). Ihr Buch Je suis malheureuse et heureuse war auf der Shortlist für den Photo-Text Book Award beim Fotofestival Les rencontres d’Arles 2021 und in der offiziellen Auswahl des Oslo Fotobokfestival.
Anaïs Horn:  Blooming Simulacra
Projektbeschreibung
Ein Lichtschein auf dem Faltenwurf, die Blüten im Dunkel versinkend, ist es Abendlicht, das durch einen zarten Vorhang streift, oder ist es das letzte Aufflackern einer Kerze, das dieses Bild erhellt? Wie still sind die Objekte in diesem Stillleben, wie tot ist die Natur in dieser Nature Morte? Das radikale Denken (Baudrillard) bezieht seine Kraft – ähnlich dem echten Bild, das „dieses Zittern der Welt“ bewusst macht – aus der Ablehnung der Wirklichkeit. Statt Transparenz zu schaffen, wird das Geheimnis wieder einge- führt: Die Illusion erarbeiten, erschaffen. Rätselhaft machen, was klar ist, unbegreiflich, was begreiflich ist… die Welt so zurückge- ben, wie wir sie bekommen haben, unbegreiflich. Für „Blooming Simulacra“ inszeniert Horn lebendige Stillleben im Grazer Kunst- garten. Ein Augenblick des Entstehens wird fotografisch abge- bildet, ein Moment im Laufe des Vergehens, im Kreislauf – eine nächtliche Illusion – sichtbar gemacht, wie sie niemals sichtbar sein kann. Nach diesem Moment der Aneignung werden die le- bendigen Bilder der Natur zurückübergeben und wandeln sich: Als Zeuge bleibt das eine Bild, das Punctum. In der Ausstellung werden diese Bilder präsentiert – aber auch die lebendigen Still- leben aus Keilrahmen, Stoffen und Pflanzen, die dann schon ei- nige Wochen lang dem Lauf der Natur überlassen wurden und sich verändert haben, zu jeder Tages- und Nachtzeit, in jedem Augenblick, nie mehr gleich aussehen werden. Das Geheimnis des einzelnen Bildes bleibt für immer verborgen.
Wikipedia:
Als Simulacrum oder Simulakrum (Plural: Simulacra oder Simulakren) bezeichnet man ein wirkliches oder vorgestelltes Ding, das mit etwas oder jemand anderem verwandt ist oder ihm ähnlich ist. Der lateinische Ausdruck simulacrum leitet sich über simulo („Bild, Abbild, Spiegelbild, Traumbild, Götzenbild, Trugbild“) von simul („ähnlich, gleich“) ab. Die Bedeutung kann abwertend gemeint sein im Sinne eines trügerischen Scheins, sie kann aber auch positiv verstanden werden im Rahmen eines Konzepts produktiver Phantasie

Blooming Simulacra (c) Anaïs Horn 2022-

Blooming Simulacra (c) Anaïs Horn 2022