Film/Public Viewing, Vortrag/Praesentation

(Deutsch) A TRIBUTE TO Mikis Theodorakis

10. Oktober 1974, Theodorakis im Karaiskaki-Stadion

(Deutsch) „DIE ZEIT IST FÜR DIE LIEDER UND GEGEN DIE PANZER“ – MIKIS THEODORAKIS

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Mikis Theodorakis (griechisch Μίκης Θεοδωράκης, * 29. Juli 1925 auf der Insel Chios, Griechenland) ist ein griechischer Komponist, Schriftsteller und Politiker. In seiner Heimat wird er als Volksheld verehrt. Theodorakis gilt als der bekannteste griechische Komponist des 20. Jahrhunderts. Besonders seine Filmmusiken zu Alexis Sorbas (mit Sirtaki), Z und Serpico sowie die Vertonung des Canto General nach Versen von Pablo Neruda machten ihn weltweit bekannt. Zu seinem über 1000 Werke umfassenden Schaffen zählen symphonische Kompositionen und eine Vielzahl von Liedern. Daneben ist er durch sein politisches Engagement bekannt.

Schon als Kind war Mikis Theodorakis von der Musik fasziniert und schrieb seine ersten Lieder, ohne ein Musikinstrument zur Verfügung zu haben. In Patras und Pyrgos bekam er ersten Musikunterricht, später in Tripolis (Peloponnes), wo die Familie ab 1940 lebte. Theodorakis gründete in Tripolis einen Kirchenchor und gab sein erstes Konzert im Alter von 17 Jahren.
Im Zweiten Weltkrieg von 1941 bis 1944 schloss sich der junge Theodorakis dem Widerstand an. Mit 18 Jahren wurde er erstmals inhaftiert und gefoltert.

Im Befreiungskampf von Athen schloss er sich den Linken an und wurde Mitglied der Nationalen Befreiungsfront EAM in den Reihen der Griechischen Volksbefreiungsarmee, 1944 wehrte sich Theodorakis mit seinen Partisanenfreunden gegen die (auch militärische) Einmischung durch die Briten in Griechenland und nahm an der Schlacht um Athen teil.

Als kommunistischer Regimegegner wurde Theodorakis im Juli 1947 während des Griechischen Bürgerkriegs verhaftet und auf die Insel Ikaria nach Christos Raches verbannt.  Mitte 1948 wurde er nach zeitweiliger Freilassung und erneuter Verhaftung wieder auf die Insel Ikaria, diesmal nach Evdilos,  sodann im Dezember in das auf der Insel Makronisos eingerichtete Konzentrationslager deportiert, in dem Tausende umkamen. Theodorakis war hier schwersten Folterungen ausgesetzt,  wurde zweimal lebendig begraben  und war dem Tode nahe. Sein Vater Giorgos Theodorakis verkaufte seinen Besitz auf Kreta, um seinem Sohn zu Hilfe zu kommen.

Als Theodorakis 1949 aus der Haft entlassen wurde, war er physisch am Ende. Erst nach längerem Aufenthalt auf Kreta, wo er aber ebenfalls gefoltert wurde und der Hinrichtung von Kameraden zusehen musste,  erholte er sich von den Folgen der unmenschlichen Misshandlungen. Er erhielt eine Anstellung als „Leiter der Musikschule von Chania“  und gründete sein erstes Orchester. Anfang der 1950er Jahre bestand er erfolgreich am Athener Konservatorium, unter der Leitung von Filoktitis Oikonomidis, seine Examina („mit fliegenden Fahnen“).

Im März 1953 heiratete er seine Verlobte Myrto Altinoglou und im November 1954 konnte das junge Paar dank zweier Stipendien nach Paris ausreisen. Am dortigen Conservatoire führte Theodorakis unter Eugène Bigot (Orchesterleitung) und Olivier Messiaen (Musikanalyse) sein Studium weiter, das er 1959 und mit Auszeichnung abschloss.

Gerade als er auf der internationalen Musikszene mit seiner symphonischen Musik Fuß zu fassen begann, kehrte Theodorakis von Paris nach Athen zurück, wandte sich den Wurzeln der griechischen Musik zu und begann so die „dritte Periode“ seines musikalischen Schaffens.

Rasch avancierte er als “Linker” zur Leitfigur einer Erneuerung Griechenlands, besonders nach der Ermordung des Parlamentsabgeordneten Grigoris Lambrakis (Z) im Mai 1963. Als Reaktion gründete Theodorakis die Lambrakis-Jugend (Lambrakides), deren Vorsitzender er wurde und die mit 50.000 Mitgliedern zur größten politischen Organisation Griechenlands avancierte.

Am 21. April 1967 kam es zum Putsch der faschistischen Obristen in Griechenland. Theodorakis ging sofort in den Untergrund und veröffentlichte schon zwei Tage später einen ersten Aufruf zum Widerstand. Seine Musik wurde verboten, der Besitz seiner Platten, sogar das Singen und Hören seiner Lieder wurden mit Gefängnisstrafe geahndet: Armeebefehl Nr. 13 vom 1. Juni 1967. Am 21. August wurde er verhaftet und im Hauptquartier der Sicherheitspolizei physisch und seelisch gefoltert.

Erst Ende Januar 1968 wurde er aus der Gefängnisanstalt Averoff entlassen, im August desselben Jahres aber bereits ins arkadische Bergdorf Zatouna verbanntund ab Oktober 1969 schließlich ins Konzentrationslager Oropos überführt, wo er sehr schwer an Tuberkulose erkrankte.Eine internationale Solidaritätsbewegung, angeführt unter anderem von Berühmtheiten wie Dmitri Schostakowitsch, Leonard Bernstein, Arthur Miller, Yves Montand, Sir Laurence Olivier und Harry Belafonte, setzte sich für seine Freilassung ein. Dem französischen Zentrumspolitiker Jean-Jacques Servan-Schreiber gelang es dann am 13. April 1970, den Junta-Chef Georgios Papadopoulos zu überzeugen, Theodorakis ins Exil nach Frankreich zu entlassen.

1972 traf er Pablo Neruda und Salvador Allende und versprach ihnen, seine Fassung von Nerudas Canto General zu komponieren. Er wurde von Gamal Abdel Nasser und Josip Broz Tito, Jigal Allon und Jassir Arafat, François Mitterrand,[41] Olof Palme und Willy Brandt empfangen. Für Millionen von Menschen aber war Theodorakis in diesen Jahren das Symbol des ungebrochenen Widerstands gegen die griechische Diktatur.

1974, nach dem Sturz der Diktatur, wurde Mikis Theodorakis bei seiner Rückkehr nach Griechenland als ein Volksheld gefeiert, doch bald gewann das gewöhnliche politische Leben mit seinen Intrigen wieder die Oberhand. In den Jahren danach schwankte der Komponist zwischen Resignation und immer neuem Engagement – er rief zum Zusammenschluss der Linksparteien um die KKE auf, war deren Kandidat für die Athener Bürgermeisterwahlen  –, zwischen Einsatz im Parlament und freiwilligem Rückzug ins innere Exil nach Paris.   Dort nahm er ab 1980 – nach zwanzig Jahren – die Arbeit an seinem symphonischen Schaffen wieder auf, schrieb frühere Werke um und schuf neue. Dies ist die „vierte Periode“ seines musikalischen Schaffens.

1983 wurde Theodorakis mit dem Lenin-Friedenspreis geehrt.

Bereits in den frühen 1960er und in den 1980er Jahren wurde Theodorakis in das griechische Parlament gewählt. Bis in die späten 1980er Jahre wurde er ausschließlich mit der Linken identifiziert. Im Jahre 1989 kandidierte er jedoch als Parteiloser für die Liste der konservativen Partei Nea Dimokratia (‚Neue Demokratie‘), um Griechenland bei der Überwindung einer schweren politischen Krise zu helfen, welche durch zahlreiche Skandale der Regierung von Andreas Papandreou  und seiner PASOK-Partei ausgelöst worden war. Unter anderem half er, eine große Koalition zwischen Konservativen, Sozialisten und Linken zu bilden: Erstmals seit dem griechischen Bürgerkrieg wurden Kommunisten der KKE wieder an der Macht beteiligt. Im Jahre 1990 wurde Theodorakis erneut ins Parlament gewählt und als Minister ohne Geschäftsbereich beim Premierminister in die Regierung von Konstantinos Mitsotakis berufen. In dieser Funktion setzte er sich gegen Drogen und Terrorismus, für Kultur und Erziehung sowie für verbesserte Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei ein.

Seit er sich von der Tagespolitik zurückgezogen hat, äußert sich Theodorakis mit teilweise sehr deutlichen öffentlichen Erklärungen zur aktuellen Politik, vor allem, wenn in seinen Augen der Friede in Gefahr ist (siehe dazu seine Aussagen über den Kosovo-Krieg,  zugunsten von Palästina,  gegen den Krieg im Irak  oder über das Verhältnis Mazedonien – Griechenland – Türkei – Zypern). In den Jahren der Militärdiktatur von 1967 bis 1974 galt er, der jedwede Form von Diktatur stets deutlich ablehnt, als Symbol des Widerstandes. – Aus Wikipedia.

Während die westlichen Medien mit dem Finger auf Syrien, Russland und China zeigen, hat in Griechenland und in Europa eine Finanzregierung die Herrschaft übernommen. Komponist und Widerstandsikone Mikis Theodrakis geht hart ins Gericht mit der von Finanzinstitutionen und griechischen Politikern gemeinsam ersonnenen Strategie zur Plünderung des Landes. Er erklärt, wie Griechenland durch Dominique Strauß-Kahn und den ehemaligen Ministerpräsidenten Papandreou allmählich unter die Führung des IWF (Internationaler Währungsfonds) gestellt wurde. –

Es gibt eine internationale Verschwörung, deren Ziel die vollständige Zerstörung meines Landes ist. 1975 haben sie begonnen die moderne griechische Zivilisation ins Visier zu nehmen, fortgesetzt wurde das mit der Verzerrung unserer jüngsten Geschichte und unserer nationalen Identität, und jetzt versuchen sie, uns durch Arbeitslosigkeit, Hunger und Verarmung auch biologisch zu beseitigen. Wenn die griechischen Bürger sich nicht zusammentun und dagegen aufstehen, um das zu verhindern, ist die Gefahr, dass Griechenland ausgelöscht wird, offensichtlich. Ich sehe dies innerhalb der nächsten zehn Jahre voraus. Danach wird nichts mehr von uns übrig sein, außer der Erinnerung an unsere Zivilisation und an unsere Freiheitskämpfe.

Bis 2009 gab es kein ernsthaftes wirtschaftliches Problem. Die großen Wunden unserer Wirtschaft wurden von den enormen Ausgaben infolge des Kaufs von Kriegsmaterial und von der Korruption eines Teils des politischen und wirtschaftlich-journalistischen Sektors verursacht. Für beide dieser Wunden sind Ausländer gemeinschaftlich verantwortlich. Deutsche, zum Beispiel, sowie Franzosen, Engländer und Amerikaner, haben Milliarden von Euros am jährlichen Umsatz von Kriegesmaterial verdient, zum Nachteil unseres nationalen Reichtums. Dieser ununterbrochene Blutverlust hat uns in die Knie gezwungen und verhindert, dass wir uns vorwärts bewegen, während zur selben Zeit ausländische Nationen wohlhabend wurden. Das gleiche trifft auf das Problem der Korruption zu. Die deutsche Firma Siemens zum Beispiel hat eine eigene Abteilung unterhalten, deren Aufgabe es war, griechische Beteiligungen zu kaufen, um dann ihre eigenen Produkte auf den griechischen Markt zu bringen. Deshalb sind die griechischen Bürger die Leidtragenden, auf deren Kosten sich jenes räuberische Duo aus Griechen und Deutschen bereichert hat.

Es ist offensichtlich, dass diese zwei großen Wunden hätten vermieden werden können, wenn die Führung der beiden Pro-Amerika-Parteien, die an der Macht sind, nicht von korrupten Elementen zerfressen worden wäre, die exzessiv mit Darlehen versucht haben, das Abfließen des Reichtums (das Produkt der Arbeit des griechischen Volkes) in die Hände von fremden Ländern zu verschleiern. Das Resultat ist eine öffentliche Verschuldung, die an die 300 Milliarden Euro reicht, d.h. 130 % des BIP (Bruttoinlandprodukts).

In Folge dieser Bauernfängerei machten jene Ausländer, die ich vorhin erwähnte, einen doppelten Gewinn: erstens durch den Verkauf der Waffen, zweitens durch die Zinsen für das Geld, das sie den Regierungen, und nicht den Bürgern, geliehen haben. Wie wir gesehen haben, waren in beiden Fällen die Bürger die Hauptleidtragenden. Ein einzelnes Beispiel sollte Sie überzeugen: die Zinsen auf das 1-Milliarde-Dollar-Darlehen, das Papandreou 1986 von einem großen europäischen Land bekommen hat, haben 54 Milliarden Euro erreicht – und wurden schließlich 2010 zurückbezahlt!

Herr Juncker hat vor einem Jahr erklärt, dass er das finanzielle Ausbluten der Griechen erkannt habe, das durch die übermäßigen (und obligatorischen) Ausgaben für den Kauf von Kriegmaterialien ausschließlich aus Deutschland und Frankreich verursacht wurde. Und er hat daraus geschlossen, dass unsere Verkäufer uns auf einen Weg der Zerstörung führten. Aber er gesteht auch ein, dass er nichts unternommen habe, weil er die Interessen von befreundeten Ländern nicht verletzen wollte!

2008 kam es zur großen Finanzkrise in Europa. Daher war es nur logisch, dass davon auch die griechische Wirtschaft betroffen sein würde. Dennoch ist unser Lebensstandard – Griechenland zählte dich zu den 30 reichsten Ländern der Erde – unbeeinflusst geblieben. Es gab jedoch eine Zunahme der Staatsverschuldung. Öffentliche Schulden führen aber nicht unbedingt zu einer Finanzkrise. Es gibt große Länder, wie etwa die USA und Deutschland, deren Schulden Billionen von Euros betragen. Der Schlüssel liegt im Wirtschaftswachstum und in der Produktion. In dem Fall kann man von großen Banken zu einem Zinssatz von bis zu 5% Kapital leihen, bis die Krise beendet ist.

Genau das war im Jahr 2009 unsere Position, als im November die Regierungsumbildung stattfand und G. Papandreou Ministerpräsident wurde. Um die derzeitige Meinung der Griechen zu verdeutlichen, zitiere ich zwei Zahlen: Bei den Wahlen von 2009 hat die PASOK 44% der Wählerstimmen erhalten. Heute erzielt die PASOK laut Meinungsumfragen 6%.

Papandreou hätte der heimischen Finanzkrise (die, wie gesagt, eine Reflex auf  die europäische ist) durch Anleihen bei ausländischen Banken mit einem üblichen Zinssatz von unter 5 % begegnen können. Wenn er das gemacht hätte, gäbe es nicht das geringste Problem für unser Land. Genau genommen wäre das Gegenteil eingetreten; weil wir auf einem Weg des Wirtschaftswachstums waren, wäre unser Lebensstandard sicher gestiegen. Aber Papandreou hatte seine Verschwörung gegen die griechischen Bürger bereits im Sommer 2009 begonnen, als er insgeheim mit Strauß-Kahn zusammentraf, mit dem Ziel, Griechenland  der Herrschaft des IWF zu unterwerfen. Die Information bezüglich dieses Treffens stammt vom ehemaligen Präsidenten des IWF selbst.

Um dies zu erreichen, musste die reale finanzielle Lage des Landes falsch dargestellt werden, sodass ausländische Banken nervös werden und die Darlehenszinssätze in schwindelnde Höhen treiben würden. Dieses widerwärtige Unterfangen hat mit der gefälschten Erhöhung der Staatsschulden von 9,2% auf 15% begonnen. Wegen jener verbrecherischen Urkunde hat Staatsanwalt Peponis vor 20 Tagen Ministerpräsident Papandreou und Finanzminister Papakonstantinou angeklagt. Was folgte, war eine systematische Kampagne von Papandreou und dem Finanzministerium, quer durch Europa, fünf Monate lang, während der sie versucht haben, das Ausland davon zu überzeugen, dass Griechenland eine Titanic sei, knapp vor dem Untergang, und dass die Griechen korrupt, faul und also unfähig seien, die Interessen ihres Landes zu wahren. Nach jeder dieser ihrer Aussagen wurden die Zinssätze erhöht, und dadurch war es für uns unmöglich geworden, Anleihen zu erhalten; und somit wurde dem IWF und der Europäischen Zentralbank der Eindruck vermittelt, sie seien unsere Rettung, während es in Wirklichkeit der Anfang von unserem Ende war.

Im Mai 2010 hat ein einzelner Minister dieses berüchtigte Memorandum unterzeichnet, das unsere vollständige Unterwerfung unseren Kreditgebern gegenüber bedeutet. Das griechische Gesetz schreibt in solchen Fällen vor, dass die Annahme eines so wichtigen Abkommens von drei Fünfteln des Parlaments zu entscheiden sei. Daher sind das Memorandum und die Troika, die uns in Wahrheit heute regiert, im Kern illegal, nicht bloß nach griechischem, sondern auch nach europäischem Recht.

Wenn es zwanzig Schritte sind, die uns in den  Tod führen, so haben wir von damals bis heute schon mehr als den halben Weg zurückgelegt. Begreifen Sie, dass wir mit diesem Memorandum unsere nationale Unabhängigkeit und unser nationales Eigentum dem Ausland preisgeben. Das heißt, unsere Häfen, unsere Flugplätze, das Straßennetz, die Elektrizität, die Wasserversorgung, unsere Bodenschätze, die Reichtümer der Tiefsee und so weiter. Zählen Sie noch unsere historischen Denkmäler, wie die Akropolis, Delphi, Olympia, Epidauros und andere hinzu, da wir auf alle unsere legalen Verteidigungen verzichtet haben.

Die Produktion ist zum Stillstand gekommen, die Arbeitslosenrate hat 18% erreicht, 80.000 Läden haben geschlossen, zusammen mit Tausenden von Kleinbetrieben und Hunderten von Industriebetrieben. In Summe haben 432.000 Unternehmen zugesperrt. Zehntausende junge Wissenschaftler haben das Land verlassen, das jeden Tag mehr in mittelalterliches Dunkel versinkt. Tausende zuvor wohlhabende Bürger durchwühlen Abfallhaufen und schlafen auf  Gehsteigen.

In der Zwischenzeit sollen wir – dank der Großherzigkeit unserer Kreditgeber, dem Europa der Banken und des IWF – überleben. In Wirklichkeit ist jedes dieser Pakete, die Griechenland mit zweistelligen Milliarden Eurobeträgen belasten, zur Gänze zurückzuzahlen, während wir mit neuen, unerschwinglichen Zinssätzen belastet werden. Und da es notwendig ist, den Staat, die Krankenhäuser und die Schulen aufrecht zu erhalten, belastet die Troika die mittleren und die unteren Wirtschaftsschichten der Gesellschaft mit übermäßigen Steuern, die direkt in den Hunger führen. 1941, am Anfang der deutschen Besatzung, hat eine Hungersnot innerhalb von 6 Monaten 300.000 Menschen hinweggerafft. Nun kehrt das Gespenst des Hungers in unser diffamiertes und unglückliches Land zurück.

Wenn man bedenkt, dass die deutsche Besatzung uns eine Million Tote gekostet hat und die Zerstörung unseres gesamten Landes dazu, wie soll es uns Griechen denn möglich sein, die Drohungen von Frau Merkel und die Absicht der Deutschen hinzunehmen, uns einen neuen Gauleiter aufzuzwingen… Diesmal einen mit Krawatte…

Um nur einen Beweis dafür zu geben, wie reich Griechenland ist und wie fleißig und bewusst die griechischen Menschen sind (bewusst ihrer Verpflichtung zur Freiheit und ihrer Liebe zu ihrem Land), zitiere ich als ein Beispiel die Zeit der deutschen Besatzung von 1941 bis zum Oktober 1944. Als die SS und der Hunger eine Million Bürger getötet hatten und die Wehrmacht das Land systematisch zerstört und aller seiner landwirtschaftlichen Produktion und des Goldes der Banken beraubt hatte, haben Griechen eine nationale Solidaritätsbewegung gegründet, die Menschen vor dem Hungertod rettete und durch die Schaffung einer Partisanenarmee von 100.000 Mann zwanzig deutsche Divisionen in unserem Land festbanden.

Die Griechen haben es dank ihrer harten Arbeit nicht nur geschafft zu überleben, sondern es gab auch ein großes Wachstum in der modernen griechischen Kunst – besonders in Literatur und Musik – unter den schrecklichen Bedingungen der Besatzung. Griechenland hat zugunsten des Freiheitswillens den Weg der Selbstaufopferung und gleichzeitig des Überlebens gewählt. Das heißt, als wir unnötigerweise bestraft wurden, haben wir mit Solidarität und Widerstand geantwortet und haben überlebt. Jetzt tun wir genau das Gleiche, in der Gewissheit, dass das griechische Volk schließlich Sieger sein wird. Dies ist die Botschaft, die ich an Frau Merkel und Herrn Schäuble sende, mit dem Hinweis, dass ich immer ein Freund des deutschen Volks sein und ein Anhänger seines großen Beitrags zu Wissenschaft, Philosophie, Kunst, und insbesondere zur Musik bleiben werde! Der ultimative Beweis dafür ist vielleicht, dass ich mein musikalisches Gesamtwerk den zwei deutschen Verlagshäusern, Schott und Breitkopf, anvertraut habe, die weltweit zu den größten Herausgebern auf dem Musiksektor zählen. Meine Zusammenarbeit mit ihnen ist äußerst freundschaftlich.

Sie drohen, uns aus Europa hinauszuwerfen. Wenn Europa nicht will, dass Griechenland ein Teil von ihm sei, so ist Griechenland seinerseits zehnmal unwilliger, Teil dieses Merkel-Sarkozy-Europa zu sein.

Heute, am Sonntag, dem 12. Februar 2012, werde ich in Kürze an einer Demonstration teilnehmen, gemeinsam mit Manolis Glezos, jenem Helden, der damals das Hakenkreuz von der Akropolis herunter genommen und damit den Anfang des Widerstands gegen Hitler signalisiert hat, nicht nur in Griechenland, sondern in ganz Europa. Heute werden unsere Straßen und unsere Plätze von Hunderttausenden Bürgern überflutet werden, die ihre Wut gegen die Regierung und gegen die Troika zeigen werden. Ich habe gestern vom Bankier-Ministerpräsidenten gehört, wie er zu den Griechen sagte, dass „wir den Nullpunkt erreicht haben“. Aber wer hat uns denn innerhalb von zwei Jahren zu diesem NULL-Punkt geführt? Dieselben Leute, die – anstatt eingesperrt zu werden – die Mitglieder des Parlaments erpresst haben, damit sie das Neue Memorandum unterzeichnen, das sogar schlimmer ist als das erste und das von denselben Leuten exekutiert werden wird, die der selben Methodik folgen, die uns zu diesem Punkt NULL gebracht hat. Warum? Weil es das ist, was uns der IWF und die Euro-Gruppe diktieren, uns damit erpressen, dass wir bankrott gehen werden, wenn wir nicht gehorchen… Dies ist ein Stück Absurdes Theater.  Alle Parteien, die uns in Wirklichkeit hassen (Ausländer und Griechen) und die die Einzigen sind, die für die dramatische Lage verantwortlich sind, in die sie unser Land geführt haben, bedrohen und erpressen uns jetzt und zielen auf die Fortsetzung ihres Vernichtungswerkes, d.h. uns sogar über den Punkt NULL hinaus zu führen, zu unserer endgültigen Beseitigung.

Im Laufe der Jahrhunderte haben wir sehr schwierige Situationen überlebt und es ist gewiss, wenn sie uns mit Gewalt an den Rand des Todes führen, dass die Griechen nicht nur überleben, sondern wiedergeboren werden.

In diesem Moment ist mein ganzes Bemühen der dynamischen Vereinigung des griechischen Volks gewidmet. Ich versuche, es zu überzeugen, dass IWF und Troika keine Einbahnstraße sind, sondern dass es eine alternative Lösung gibt. Die Lösung heißt, den Kurs unserer Nation radikal zu ändern und zwecks wirtschaftlicher Zusammenarbeit hin zu Russland auszurichten, im Gründen von Joint Ventures, um unseren natürlichen Reichtum unter förderlichen Bedingungen auszubeuten, und dabei unsere nationalen Interessen zu schützen.

Für Europa schlage ich vor, dass wir aufhören, von Deutschland und Frankreich Kriegsmaterial zu kaufen. Und dass wir all unsere Kraft einsetzen, damit Deutschland die Kriegsentschädigungen zurückbezahlt, die es uns schuldet und die sich gegenwärtig – einschließlich angemessener Zinsen – auf etwa 500 Milliarden Euro belaufen.

Die einzige Kraft, die fähig ist all diese revolutionären Änderungen zu bewirken, ist das griechischen Volk, vereinigt in einer riesigen Front des Widerstands und der Solidarität, um die Troika (den IWF und die Europäischen Banken) aus unserem Land zu entfernen. Gleichzeitig sollen alle ihre illegalen Handlungen (Darlehen, Schulden, Zinsen, Steuern, Privatisierung des nationalen Reichtums), so behandelt werden, als hätten sie nie stattgefunden. Natürlich müssen ihre griechischen Partner, die in unserem Bewusstsein bereits als Verräter verurteilt sind, bestraft werden.

Ich habe mich zur Gänze, mit Leib und Seele, dieser Sache (der Vereinigung des Volkes zu einer Front) gewidmet und ich glaube, dass ich am Ende Recht bekommen werde. Ich habe mit dem Gewehr in der Hand gegen die Besatzung durch Hitler gekämpft. Ich habe die Kerker der Gestapo kennen gelernt. Ich bin von den Deutschen zum Tod verurteilt worden und habe wie durch ein Wunder überlebt. Ich habe 1967 die PAF (Die Patriotische Anti-diktatorische Front) gegründet, die erste Widerstandorganisation gegen die Militärjunta. Ich habe im Untergrund gekämpft, ich bin gefangen genommen worden und ich war im „Schlachthaus“ der Junta eingesperrt. Und wieder habe ich überlebt.

Heute bin ich 87 Jahre alt, und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich die Erlösung meines geliebten Landes nicht mehr erleben werde. Aber ich werde mit reinem Gewissen sterben, weil ich bis zum Ende fortfahren werde, meine Pflicht gegenüber den Idealen der Freiheit und der Gerechtigkeit wahrzunehmen.

Mikis Theodorakis – Athen, 12. 02. 2012

[www.wariscrime.com/2012/02/25/news/the-imf-is-the-rack