Ausstellung/Gartenkunst/Exhibition

LEBENSWELTEN ODER WAHRTRÄUME. Opening.

Ida von Szigethy: Klimt Reloaded

September – Oktober  Ida SzigethyCatrin BoltViktor KröllPatrick Topitschnig

LEBENSWELTEN ODER WAHRTRÄUME. Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
Eine Verschmelzung von Realität und Vorstellung.

Eröffnung: Stadtrat Dr. Günter Riegler und Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker Markus Waitschacher, MA

Ida Szigethy zeigt KLIMT RELOADED, handvergoldete Giclée Farbdrucke gerahmt unter Glas.
Sie vernetzt in ihren Arbeiten das Erlebnis von Klimt’scher Kunst, die Erotik des erwachenden 20. Jhdts mit der Faszination tropischer Landschaften und Pflanzen.

Ida Szigethy wurde in Wien in eine musische Familie geboren.
Sie verkehrte schon in ihren Gymnasialjahren im Kreis von Malern und Schriftstellern
im Art Club (Strohkoffer), Wien
Ihre ersten künstlerischen Eindrücke sind die große „Paul Klee“ Ausstellung,
die „Surrealismus“ Ausstellung und die von Friedensreich Hundertwasser im Art Club Wien.
Mit Konrad Bayer spielt sie 1955 in Peter Kubelka’s Film „Mosaik im Vertrauen“
Während vieler Jahre arbeitet sie vor und hinter der Kamera ihres Mannes Ferry Radax.
Um diese Zeit beginnt sie als Autodidaktin zu malen.
1967 Mitarbeit an Ferry Radax’s Fernsehdokument „Forumdichter Graz“
Nach ihrer Scheidung entscheidet sie sich für die Malerei.
Ab 1970 stellt sie in Österreich und im Ausland aus.
1972 malt sie den Buchumschlag für „Ida und Ob“ von Barbara Frischmuth
im selben Jahr Ausstellung im Forum Stadtpark Graz.
1973 illustriert sie das Kinderbuch „Herr Mantel und Herr Hemd“ von Gerhard Roth
für den Insel Verlag, Frankfurt am Main
2000 wählt Friedensreich Hundertwasser ihr Bild „Turf Turkey“ für eine Briefmarke in der Serie „Moderne Kunst in Österreich“ aus.
2001 beteiligt sie sich mit 12 Pariser Künstlern an der Ausstellung „Boites d’artistes“ der Galerie Gladys Mougin
Sie lebte in Zürich, München, Brüssel, Amsterdam, Venedig und von 1978 bis 2008 in Paris.
Sie bereiste Nordamerika, Brasilien, Griechenland, Türkei, Israel, Indien, Thailand, Kambodscha, Singapur.
Fasziniert von den tropischen Landschaften und Pflanzen besuchte sie Bali, Java, Hawaii,
die Seychellen und La Réunion.
Seit 2008 lebt sie wieder in Wien.
2018 Buchrealisation „Chère Ida“ Briefe von Konrad Bayer an Ida Szigethy mit dem
Verlag Bibliothek der Provinz
Ihre Werke sind in den Sammlungen Albertina Wien, Ministerium für Kunst und Kultur Wien
Bundeskanzleramt Wien, Österreichische Postsparkassa Wien, Artothek Wien,
Artothèque Saint Denis auf La Réunion, Privatsammlung von Friedensreich Hundertwasser und vielen anderen Malern, Schriftstellern und Journalisten.

Catrin Bolt befasst sich mit der inhaltlichen, geschichtlichen und architektonischen Komplexität von Räumen und Orten. Mithilfe von Fotos, Skulpturen und Installationen – über minimale Eingriffe und unorthodoxe Darstellungen – werden diese in ihrer Vielschichtigkeit erfahrbar.
Neben dem Begriff des erweiterten öffentlichen Raums und der konzeptuellen Befragung von Ausstellungen erforscht die Künstlerin das Potenzial von Kunst in Alltagsräumen. Im Gebrauch und der Neuperspektivierung von Alltagsgegenständen, die oft auf humorvolle, ironische und spielerische Weise symbolisch umgewertet werden, sowie mit den Kunstgriffen von Fiktionen, Fakes und subtilen Irritationen trotzt sie gesellschaftlichen Gegebenheiten neue Sichtweisen ab. Mit diesen Strategien macht sie gesellschaftliche Absurditäten ebenso wie die imaginäre, aber auch reale Macht von Zeichensystemen sichtbar. (s. Tania Hölzl)

In Mahnmalprojekten entwickelte sie eigenständige Formen einer zeitgenössischen Erinnerungskultur – so konnte sie 2011 das Mahnmal für die zwei Zwangsarbeiterlager in Viehofen bei St. Pölten realisieren; 2012 erhielt sie einen Anerkennungspreis für ihren Vorschlag für das zentrale Mahnmal in Saarbrücken. 2013 und 2014 realisierte sie die stadtübergreifenden Mahnmale Lauftext (Graz) und Alltagsskulpturen (Wien). 2015 erhielt sie den renommierten Otto Mauer-Preis, sowie die Umsetzung zweier Ehrenmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Des Weiteren gewann sie 2005 den 1. Platz für ihren Vorschlag für die Gestaltung des Gemeindezentrums Hochleithen (Niederösterreich), 2004 den internationalen Szpilman Award und 2001 den 2. Platz für ihr Video Statuen u¬¬marmen.
Derzeit beschäftigt sich die Künstlerin mit Methoden der Tarnung, unter anderem mit dem groß angelegten Projekt Tarnrasen im öffentlichen Raum in Bozen.

Viktor Thomas Kröll
„Ich bin Konzeptionist. In erster Linie geht es mir darum Ideen zu entwickeln – in welcher Form ich diese Konzepte umsetze und ob ich sie alleine bzw. überhaupt umsetzen kann, hängt von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab.“ Dass Viktor Thomas Kröll lange Jahre erfolgreich als Entwickler und Texter in der Werbung tätig war, ist nicht zu übersehen. Der ursprünglich aus dem kleinen Ort Wies in der Südsteiermark stammende und heute in Wien lebende Künstler lässt seine in der Branche gesammelten Erfahrungen und Strategien natur-gemäß auch in seine künstlerische Arbeit einfließen. Gleichzeitig setzt er sich aber in seinen Arbeiten gerne mit seinem ländlichen Familienbackground auseinander, nicht so sehr zur Aufarbeitung seiner Herkunft, sondern vielmehr als Blaupause, auf der er seine künstleri-schen Konzepte und Interventionen entwickelt. Krölls persönliches Coming of Age, seine Kindheit und Jugend in einer streng katholischen Landfamilie, die Vermittlung konservativer Werte dort, die daraus folgende Selbstreflexion und die Konfrontation mit den Umständen seiner beruflichen Karriere sind treibende Faktoren bei seiner künstlerischen Arbeit. Die Verbindung von Neuem und Altem, Ländlichem und Urbanem, Individuellem und Sozialem zu hinterfragen und zu remixen, all das steht im Mittelpunkt der Auseinandersetzung.

Eine zentrale Stellung in Krölls bisherigem Œuvre nimmt seine bekannteste Arbeit „SelfmadeSaints. Die Demokratisierung des Göttlichen“ ein. Als Ausgangspunkt der Überle-gungen dazu gibt der Künstler die Beschäftigung mit den sozialen Netzwerken des Web 2.0 an, Plattformen wie Facebook oder myspace, auf denen jedem Menschen die Möglichkeit zur Stilisierung und zur Überhöhung des eigenen Egos möglich ist, was einerseits zu einer Demokratisierung führt, andererseits jedoch auch dazu herausfordert , innerhalb der Masse nach diversen Möglichkeiten zum Distinktionsgewinn und zum Abheben von eben dieser Masse zu suchen. Das Projekt habe aber, so der Künstler, im Laufe seiner Entwicklung immer mehr auch einen spirituellen Hintergrund bekommen und ihn zu der Erkenntnis geführt, dass „unabhängig von konfessioneller Zugehörigkeit und persönlichem Glauben jeder Mann und jede Frau Teil der Schöpfung und somit Gott selbst ist.“ Visuell wird dies durch eine von den Porträtierten selbst gehaltene Taschenlampe umgesetzt, die diese mit einem Heiligenschein umgibt, das Bild wird zur Ikone, die Menschen machen sich selbst zu vermeintlichen Heiligen. Das augenzwinkernde Spiel mit Überhöhung und Profanem ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit. Parallel dazu hat Kröll mit Ed. Hauswirth vom Grazer „Theater im Bahnhof“ eine Performance zu den SelfmadeSaints entwickelt, Theaterbesucher oder Besucher der Performances können sich so selbst zu Heiligen machen, es werden persönliche Fragen gestellt, um die Porträtierten in jenen puren Moment zu bringen, in dem ein Heiligenporträt, eine Ikone entstehen kann.

Neben dieser zentralen Arbeit, die bereits in mehreren Ausstellungen gezeigt wurde, hat Kröll auch noch weitere Performances und Interventionen entwickelt, unter anderem das Projekt „Performance Spalteholz“, in dem er gemeinsam mit der deutschen Künstlerin Ma-reike Spalteholz Brennholz gespaltet und dieses zum Kunstwerk erklärt hat, eine Aktion, die von der Finanzkrise und von der Hinterfragung der Definition von realem und substantiellem Wert inspiriert war. Dass Kröll, der u. a. sehr früh Regieerfahrung im Wieser Theater im Kürbis gesammelt, an der FH Joanneum Graz bei Jörg Schlick, Martin Osterider und Orhan Kipcak Informationsdesign studiert und später in namhaften Werbeagenturen gearbeitet hat, sich auch mit aktuellen Geschehnissen beschäftigt, zeigt seine jüngste Arbeit, bei der er als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe in Fukushima einen Geiger-Müller-Zähler gebaut hat, der beim Grazer Lendwirbel 2011 in einer Performance zum Testen von Sushi eingesetzt wurde.(Wolfgang Pollanz)

Patrick Topitschnig wurde 1980 in Rottenmann, Steiermark geboren. Der in Wien lebende und arbeitende Filmemacher und Klangkünstler ist neben seinen eigenen Projekten für Theater Produktionen und Projekten für den Museumsbetrieb tätig. Nach dem Abschluss des Studiums der Wirtschaftsinformatik studierte er Medienübergreifende Bild, Ton und Raumgestaltung in Wien und Narrativen Film und Dokumentarfilm in Berlin unter der Leitung von Bernhard Leitner, Erwin Wurm, Constanze Ruhm und Thomas Arslan. 2012 diplomierte er mit dem Kurzfilm Gastrecht an der Universität für angewandte Kunst. Er erhielt Preise, wie das Adlmüller Stipendium oder den Ursula Blickle Preis für Zerschneidung des Ganzen (2007). 2013 erhielt er das STARTstipendium für Video und Medienkunst. Das direkte, dichte, körperliche Erfahren und die unmittelbare Rezeption, das Aushalten von Zeit bzw. das Maß vergehender Zeit, sei es auf visueller oder auf akustischer Basis, stehen im Vordergrund von Topitschnigs künstlerischen Werkschaffens.
Meine künstlerischen Arbeiten beschäftigen sich mit Themen der Wahrnehmung von Raum und Zeit in der Dialektik zwischen Natur und Zivilisation. Der Fokus liegt auf dem anhaltenden Blick im Gegensatz zu „einen Blick darauf werfen“. (Der Grossteil meiner Arbeiten sind vom „Aussen“, und der Umgebung beeinflusst.)
Für meinen Arbeitsprozess ist es sinnvoll direkt vor Ort zu arbeiten bzw. auf die Umgebung und der jeweiligen Einflüsse einzugehen. Zwar habe ich mehrere Ansätze und Ideen die ich realisieren will, jedoch zeigt mir meine Erfahrung, dass meine Konzepte und Ideen sich stets während des Aufenthaltes geändert haben.
So wäre es mir ein Anliegen an Lichtobjekte/Installationen weiterzuarbeiten die ich teilweise aus industriell produzierten Ready-Mades und anderen gefundenen Materialien (objet trouvés) neu assembliere und weiterentwickle.
Eine weitere Konzeptüberlegung ist, spezifische Plätze zu finden die rurale oder industrielle szenische Qualität besitzen und jene photographisch wie filmisch in Kontext zu setzen. Nicht primär architektonisch relevante, Plätze die im architekturtheoretischen Kanon eingeschrieben sind oder historisch relevante Plätze, sondern eher befremdliche Orte die in Dissonanz mit dem umgebenen Terrain stehen.

Die bewegungsberuhigte Kameraführung bzw. statischen Kameraeinstellungen erzeugen starke visuelle Eindrücke, die durch intensive Beobachtung, nicht offensichtlicher, aber für die Narration relevanter Details entstehen und sich einprägen.
Es wird an das Un(ter)bewusste appelliert und die Wahrnehmung des Betrachters um eine nicht fassbare emotionale, jedoch immer distanziert bleibende Wahrnehmungsebene erweitert (durch Bild oder Ton/Bild Kombination).
So werden Erwartungen teilweise nicht eingelöst und lassen den Betrachter im Ungewissen – sowohl über den eigenen Umgang mit den intensiven, als staccato vorgestellten Eindrücken, aber auch dem Verbleib der oft nur subtil eingeführten Protagonisten.
Die Narrationen bewegen sich zwischen mystischer Romantisierung und deren ungeschönter Aufdeckung bzw. skurriler Überzeichnung und hinterfragen Grundthemen des Menschlichen, während die Fragilität der „conditio humana“ immer mit ruhigem Duktus zum Vorschein gebracht wird.
Die Arbeiten berühren Existenzängste durch Überzeichnung des scheinbar alltäglichen und scheuen sich nicht in die Abgründe menschlicher Sehnsüchte und Zweifel zu blicken.
Das direkte, dichte, körperliche Erfahren und die unmittelbare Rezeption, das Aushalten von Zeit bzw. das Maß vergehender Zeit, sei es auf visueller oder auf akustischer Basis, stehen im Vordergrund des Werkschaffens. Nie enden wollende Wiederholungen, wie kreisende Bewegungen bzw. das repetitive Hin- und Herschwingen/-gehen, sind ein häufiges Moment.
So wird oft auf die Entfremdungen der Körperlichkeit wie auf die Entkontextualisierung von Abläufen, die zu maschinellen Abfolgen mutieren, verwiesen. 
Die primär eingesetzten Medien, Video und Ton, werden oft installativ umgesetzt.